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Damit möchten wir Ihnen einen ersten Überblick über die Erkrankung und deren Behandlung geben. Diese Seiten können aber kein Ersatz für das ärztliche Beratungsgespräch in Bezug auf Diagnose, Symptomatik und Behandlung sein. Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Nervensystems, die auch heute noch viele Fragen offen lässt und sich in Verlauf und Beschwerdebild bei jedem Patienten anders äußert. Allgemeine Aussagen sind daher nur in begrenztem Maße möglich und gültig.

Anatomische Grundlagen

Aufbau des Nervensystems

Das Nervensystem unseres Körpers wird in zwei Bereiche, das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS), gegliedert. Das zentrale Nervensystem, bestehend aus Gehirn und Rückenmark, arbeitet als Kommandozentrale. Es steuert Muskelbewegungen und sammelt ankommende Sinnesempfindungen vom peripheren Nervensystem, den Nervenbahnen außerhalb des Zentralnervensystems, und wertet sie aus. Vom Nervensystem wird das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Körperteilen und Organen koordiniert.

Die Gehirnzellen geben über Nervenfasern Befehle an die verschiedenen Körperregionen. Umgekehrt empfangen sie über solche Nervenfasern aus allen Bereichen des Körpers wichtige Informationen. Damit die Leitfähigkeit ungestört ist und die Weiterleitung mit größtmöglicher Geschwindigkeit ablaufen kann, sind die meisten Nerven so ähnlich wie elektrische Kabel mit einer Hüllsubstanz umgeben, der so genannten Markscheide. Die Markscheiden bestehen aus einer fetthaltigen Substanz, dem Myelin. Diese Myelinscheide wird im zentralen Nervensystem von speziellen Zellen gebildet. Sie ist an den so genannten Schnürringen unterbrochen. Der elektronische Impuls springt an der gesunden Nervenfaser mit hoher Geschwindigkeit von Schnürring zu Schnürring.

Die Myelinscheiden um die Nervenfasern geben der weißen Substanz in Gehirn und Rückenmark die weiße Farbe. Die graue Substanz hingegen setzt sich aus den Zellkörpern der Nervenzellen (Neurone) zusammen, von denen die Nervenfasern (Axone) ausgehen.

Blut-Hirn-Schranke

Das ZNS besitzt mit der Blut-Hirn-Schranke einen besonderen Schutz zur Abschirmung vor schädlichen Stoffen, die zur starken Bedrohung für das nur in geringem Maße regenerationsfähige Nervengewebe werden könnten. Die Blut-Hirn-Schranke wird von einer besonderen Zellschicht gebildet, den Endothelzellen der kleinen Blutgefäße. Diese sind wiederum durch Brücken, so genannte „tight junctions“, eng miteinander verbunden, so dass nur wenige Stoffe durch sie hindurch dringen können.

Auf der Gehirn-Seite tragen dichtgedrängte Fortsätze von so genannten Astrozyten mit dazu bei, dass diese Barriere aufrechterhalten wird. Die Blut-Hirn-Schranke verhindert, dass große Moleküle, Bakterien und Zellen des Immunsystems in das zentrale Nervensystem eindringen.

Der beschriebene Schutz durch die Blut-Hirn-Schranke ist aber nicht vollkommen. So kann die BHS bei bestimmten Krankheiten, insbesondere Infektionen sowie bei Fieber und ungenügender Sauerstoffkonzentration im Blut kurzfristig durchlässiger werden. Diese Lücken bilden sich in der Regel zurück.

Was ist MS?

Was ist MS?

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems mit Krankheitsherden in Gehirn, Rückenmark und Sehnerven. Die Krankheit kann sich in einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Symptome äußern, so dass man kaum zwei Menschen mit Multipler Sklerose finden wird, die unter genau denselben Beschwerden leiden.

Die Erkrankung nimmt bei den Betroffenen einen sehr unterschiedlichen Verlauf, der im Einzelfall nicht vorherzusagen ist. 20 Prozent der Menschen mit MS haben ihr Leben lang einen günstigen Krankheitsverlauf.

Bei 70 Prozent der MS-Patienten kommt es nach einem langen Zeitraum,in dem sie ein weitgehend normales Leben führen können, zu einer zunehmenden Behinderung. Nur bei einigen wenigen Betroffenen verursacht die Multiple Sklerose schon nach kurzer Zeit eine deutliche Behinderung.

Der Krankheitsverlauf

Ein Verlauf in Schüben bedeutet, innerhalb kurzer Zeit kommt es zu bestimmten Krankheitssymptomen, die sich nach einer gewissen Zeit wieder ganz oder zumindest teilweise zurückbilden. Man bezeichnet die Rückbildung von Krankheitszeichen als Remission.

Die Häufigkeit der Schübe und der Zeitpunkt des nächsten Schubes lassen sich nicht voraussehen. Zu Anfang der Erkrankung treten Schübe am häufigsten auf, im Durchschnitt kommt es zu ein bis zwei Schüben im Abstand von einem halben bis zu drei Jahren. Manchmal liegen zwischen zwei Schüben aber auch Jahrzehnte, in seltenen Fällen vergehen nur wenige Wochen von einem Schub zum nächsten.

Insbesondere die Symptome der ersten Schübe bilden sich meist wieder ganz zurück. Je länger die Krankheit andauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil der im Schub aufgetretenen Beschwerden bestehen bleibt.

Bei den meisten Kranken kommt es irgendwann zum Übergang vom schubförmigen Verlauf der MS in einen langsam fortschreitenden (chronisch-progredienten) Verlauf. Dabei nehmen die Beschwerden ganz langsam, aber stetig zu. Nur bei wenigen Patienten verläuft die Multiple Sklerose von Beginn an mit ständig zunehmenden Funktionseinbußen, die sich nicht wieder zurückbilden.

Entzündliche Herde

Diese Veränderungen werden von den Ärzten als Herde oder Plaques bezeichnet . Diese Herde können mikroskopisch klein sein und sind im Anfangsstadium noch mit keinem bildgebenden Verfahren nachweisbar. Wenn sie im Verlauf von mehreren Jahren oder Jahrzehnten immer größer werden bzw. mehrere kleine zu einem großen Entzündungsherd zusammenfließen, dann sind sie mit Hilfe von technischen Untersuchungen zu erkennen. Die Herde kommen an zahlreichen Stellen im zentralen Nervensystem vor. Diese Tatsache führte zur Bezeichnung Multiple Sklerose (multipel = vielfach). Der zweite Teil der Krankheitsbezeichnung leitet sich aus den verhärteten Narben ab (skleros = hart), die nach einer Entzündung zurückbleiben. (Sklerose = Verhärtung der ursprünglich entzündlichen Herde durch Bildung von Narbengewebe.)

Die Plaques entstehen durch Entzündungen, die wiederum zur Zerstörung von Teilen der Myelinscheiden (Markscheiden) im zentralen Nervensystem führen. Ärzte bezeichnen den Prozess als Demyelinisierung. Die Myelinscheiden werden aber benötigt, um die Nervenfaser zu schützen und eine normale Übermittlung der elektrischen Impulse zu ermöglichen. Wenn Nervenfasern nun ihre Schutzhülle z.T. verlieren, kann es zu „Kurzschlüssen“ kommen oder dazu, dass Signale innerhalb des Nervensystems nicht mehr ordnungsgemäß übermittelt werden. Die Impulse bei geschädigter Myelinscheide werden langsamer als zuvor. Das muss man sich folgendermaßen vorstellen: Die Impulse werden dann entlang der gesamten Nervenfaser weitergeleitet, was viel länger dauert, als wenn sie von Schnürring zu Schnürring springen könnten.

Bei MS hält der Körper das Myelin um die Nerven für „körperfremd“, was zu Entzündungen im ZNS führt. Bis heute ist nur ansatzweise bekannt, wodurch sie entstehen. Allerdings konnte man in den letzten Jahren den Ablauf der Entzündungsreaktion an den Myelinscheiden weiter aufklären. Zu Anfang der Entzündung dringen aktivierte Zellen des Immunsystems aus dem Blut in das Nervengewebe ein. Dies kann nur geschehen, weil gleichzeitig die Blut-Hirn-Schranke für kurze Zeit löchrig und damit durchlässiger wird. Begleitet von weiteren Abwehrzellen und bestimmten Bluteiweißen, so genannten Botenstoffen, rufen sie die Entzündungsreaktion hervor. Es handelt sich um autoaggressive Abwehrzellen, welche die Markscheiden der Nervenfasern mit der gleichen Zerstörungskraft angreifen und vernichten, die sie sonst nur zur Abwehr fremder und gefährlicher Krankheitserreger einsetzen. Da sich diese Reaktion des Immunsystems gegen Teile des eigenen Körpers richtet, wird die Multiple Sklerose zu den Autoimmunkrankheiten auto = selbst) gezählt. Die akute Entzündung ist auf bestimmte Bereiche beschränkt und klingt im Laufe von Wochen ab. Der in der Hüllsubstanz der Nervenfasern entstandene Schaden wird entweder durch Bindegewebe ersetzt oder es kommt zur Remyelinisierung, d.h. das Myelin wird neu gebildet. Die entscheidende Frage dabei ist aber, inwieweit diese Remyelinisierung auch zu einer funktionsfähigen Reparatur führt.

Die Unterbrechung oder auch nur die Ausdünnung der Hüllsubstanz um die Nervenfasern bewirkt also, dass eine vom Gehirn an den Körper oder vom Körper an das Gehirn gesandte Information langsamer zu ihrem Ziel kommt. Andererseits zeigen Nervenfasern mit verdünnter oder teilweise zerstörter Myelinscheide eine stark erhöhte Erregbarkeit. Diese veränderte Leitfähigkeit der betroffenen Nervenfasern erklärt viele Symptome der Multiplen Sklerose.

Die Krankheitszeichen der MS sind davon abhängig, an welcher Stelle im Gehirn und Rückenmark die Demyelinisierung vor sich geht. Viele Körperfunktionen können betroffen sein. Einige Menschen mit MS haben lange Zeit gar keine Symptome, und es kann durchaus sein, dass das Gehirn trotz Schädigung bestimmter Nervenbahnen imstande ist, einen völligen Ausgleich zu schaffen, indem es Nervenimpulse auf andere Nervenbahnen umleitet. In ZNS-Regionen, in denen viele Nervenfasern sehr eng beieinander liegen, lassen selbst kleinste Läsionen Symptome erwarten, während es möglich ist, dass ausgedehnte Läsionen in anderen Bereichen symptomlos bleiben. Wenn Leitungsbahnen betroffen sind, welche für die Steuerung der Muskeltätigkeit zuständig sind, kann es zu einer vermehrten Muskelanspannung oder zur Schwäche bis hin zur Lähmung kommen. Entzündliche Plaques in den Myelinscheiden sensibler Leitungsbahnen, die für die Wahrnehmung von Berührung, Temperatur, Schmerz usw. verantwortlich sind, verursachen entsprechende Empfindungsstörungen.

Häufigkeit und Vorkommen

Die Multiple Sklerose ist in Deutschland mit ca. einem MS-Patienten auf 600 Einwohner die zweithäufigste neurologische Krankheit nach der Epilepsie und die häufigste entzündliche Erkrankung des Nervensystems. In Deutschland leben insgesamt etwa 120.000 MS-Betroffene. Die meisten Menschen mit Multipler Sklerose entwickeln die Krankheit als junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Nur selten beginnt die Erkrankung bei Kindern unter zehn Jahren beziehungsweise bei Menschen über 60 Jahren. Die geschlechtsspezifische Verteilung bei MS ist ungleichmäßig. Frauen sind etwa zweimal so oft betroffen wie Männer.

Untersuchungen ergaben, dass die Häufigkeit von Multipler Sklerose in den verschiedenen Regionen der Erde unterschiedlich ist. Am häufigsten kommt sie zwischen dem 40. und 60. Grad nördlicher Breite und dem 30. bis 40. Grad südlicher Breite vor. In diesen Gebieten, wie zum Beispiel in Nord- und Mitteleuropa, dem Norden der USA, Kanada, Südaustralien und Neuseeland, ist die Erkrankungsrate am höchsten. Außerdem ist bekannt, dass in verschiedenen Ländern regionale Häufungen der MS auftreten, so z.B. in Schottland und Norwegen und auf den Färöer-Inseln. An MS erkranken fast nur Angehörige der weißen (kaukasischen) Bevölkerung. Afroamerikaner haben ein 10-fach geringeres Risiko, MS zu entwickeln.

Die Ursachen

Forscher gehen aber heutzutage davon aus, dass MS sehr wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgelöst wird.

Es gibt Hinweise dafür, dass Erbfaktoren die Entstehung begünstigen. Dies zeigen auch die oben geschilderten regionalen und ethnischen Unterschiede. Es ist aber nicht so, dass die Multiple Sklerose in einem klassischen Erbgang weitergegeben wird, wie es zum Beispiel bei der Bluterkrankheit der Fall ist. Nur das Risiko, an MS zu erkranken, ist bei Kindern eines MS-kranken Elternteils geringfügig höher im Vergleich zurnormalen Bevölkerung.

Neben dem erblich bedingten Risiko müssen noch weitere Umstände dazu kommen, um eine MS auszulösen. Zu den Faktoren, die mit der Entstehung einer MS in Zusammenhang gebracht werden, gibt es aber mehr unbewiesene Theorien als echte Fakten. Möglicherweise ist das fehlgeleitete Verhalten der Abwehrkräfte auf eine frühere Infektion zurückzuführen, wenn diese auf einen Menschen mit erhöhter Veranlagung zur Ausbildung einer MS trifft. Eine Theorie geht davon aus, dass eine in der Kindheit durchgemachte Infektion, die nicht ganz ausgeheilt wurde, das Immunsystem immer wieder dazu anregt, gegen diese Infektion doch noch alle Waffen in Stellung zu bringen. Dabei werden von Abwehrzellen nicht nur die schwer zugänglichen Reste der Krankheitserreger zerstört, sondern aus Versehen auch körpereigenes Gewebe.

Einer anderen Vermutung zufolge könnte eine Infektion mit bestimmten Erregern, deren Oberfläche derjenigen von Zellen der Myelinscheiden ähnelt, die immer wieder aufflammende Entzündung im zentralen Nervensystem verursachen. Denn das Immunsystem hält nun auch die Zellen der Myelinscheiden irrtümlich für Erreger und greift sie an. In dieser Hinsicht werden Herpes-Viren als mögliche Ursache der MS diskutiert, aber auch Retroviren und Chlamydien.

Die Multiple Sklerose ist aber in keinem Fall ansteckend, wie zum Beispiel eine Grippe oder Windpocken.

Mögliche Auslösefaktoren einzelner Schübe

Die nach derzeitigem Wissensstand als möglich geltenden Faktoren für die Entstehung der Multiplen Sklerose dürfen nicht verwechselt werden mit möglichen Auslösefaktoren einzelner Krankheitsschübe.

Man überschätzt die schubauslösenden Faktoren allerdings häufig, denn tatsächlich gehen nur wenigen Schüben Situationen voraus, die als Auslöser erkennbar sind.

Als mögliches Risiko für einen akuten MS-Schub gelten alle seelischen und körperlichen Belastungen, die eine Stimulation des Immunsystemsmit sich bringen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Bei einem grippalen Infekt werden die Abwehrzellen des Immunsystems in Aktivität versetzt. Die Lymphozyten – aus dem Knochenmark stammende weiße Blutkörperchen mit der Fähigkeit, auf Antigene mit einer Immunantwort zu reagieren – geben ihren Ruhezustand in Milz und Lymphknoten auf und treten ins Blut über. In erster Linie zielen sie auf die Schleimhäute von Nase, Rachen und Bronchien, um dort die krankheitsauslösenden Viren abzutöten. Da durch den Infekt die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger geworden ist, können einige von ihnen aber auch ins Gehirn und Rückenmark übertreten, wo sie eine Entzündung in den Myelinscheiden und in der Folge typische MS-Krankheitszeichen
bewirken.

Ein besonderes Phänomen bei der Multiplen Sklerose ist die ungewöhnliche Erschöpfbarkeit der Patienten schon bei mäßigen Belastungen. Dieser auch als „Fatigue“ bezeichnete chronische Erschöpfungszustand betrifft etwa drei Viertel aller MS-Betroffenen. Fatigue wird durch Stress, Hitze sowie körperliche Belastungen verstärkt. Dies darf aber nicht mit
einem Schub verwechselt werden.

Symptome der MS

Symptome

Die Art der Symptome ist davon abhängig, welche Bereiche im Gehirn und Rückenmark von den entzündlichen Veränderungen betroffen sind. Die Beschwerden sind auch bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt. Keine andere Krankheit des Nervensystems tritt in so vielen unterschiedlichen Erscheinungs-und Verlaufsformen auf wie Multiple Sklerose.

Bei den ersten Symptomen weiß niemand, wie die Krankheit verlaufen wird. Denken Sie deshalb immer daran, dass Multiple Sklerose sich auch gutartig entwickeln kann und dass sie zwar nicht geheilt, dafür aber wirkungsvoll behandelt werden kann.

Mögliche Frühsymptome

Auch ist aufgrund der ersten Anzeichen der Krankheit nicht vorauszusagen, wann der nächste Schub auftritt und mit welchen Beschwerden er sich äußern wird. Ebenso wenig kann man von einem speziellen Symptom auf den weiteren Verlauf der Krankheit schließen.

Dennoch sollen im Folgenden kurz die Krankheitszeichen dargestellt werden, mit denen die Multiple Sklerose oft, aber keineswegs immer beginnt.

Jeder zweite Patient bemerkt den ersten Schub einer MS aufgrund von Empfindungsstörungen in Armen und Beinen, die sich als Taubheitsgefühl oder Kribbeln zeigen können. Hierbei handelt es sich aber um unspezifische Symptome, die auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten können. Deshalb ist zu sagen: Nicht jede Missempfindung, nicht jedes Kribbeln in den Füßen und nicht jedes Taubheitsgefühl ist Ausdruck einer Multiplen Sklerose. Wenn diese Erscheinungen aber länger als 24 Stunden andauern, sollten Sie zu Ihrem Arzt gehen.

Sehstörungen sind die zweithäufigsten Symptome des ersten MSSchubes, und zwar vor allem bei jungen Patienten.

Störungen der Muskelfunktion kommen an dritter Stelle der Häufigkeit. Das normale Laufen wird besonders durch Kraftlosigkeit, schnelle Ermüdung, erhöhte Muskelsteifigkeit oder Lähmungserscheinungen in den Beinen erschwert. Manchmal kommen noch Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen hinzu.

Alle genannten Symptome sollten Sie dazu veranlassen, einen Arzt aufzusuchen. Das gilt insbesondere, wenn die Krankheitszeichen länger als ein oder zwei Tage bestehen bleiben. Es ist sinnvoll, einen Facharzt um Rat zu fragen, wenn Ihr Hausarzt keine Ursache für diese Störungen finden kann. Bei Sehstörungen sollten Sie sich an einen Augenarzt wenden und bei muskulären Problemen oder Empfindungsstörungen an einen Nervenarzt oder Neurologen. Nur dann kann die Diagnose rechtzeitig gestellt werden und die Behandlung der Erkrankung so früh und effektiv wie möglich beginnen.

Der Besuch beim Arzt wird Ihnen Gewissheit bringen, ob Sie Multiple Sklerose, eine andere Krankheit oder eine harmlose Störung haben. In manchen Fällen ist es allerdings auch für den erfahrenen Facharzt nicht ganz leicht, die richtige Diagnose im Frühstadium der MS-Erkrankung zu stellen. Es vergehen auch heute noch durchschnittlich vier Jahre vom Auftreten des ersten Symptoms bis zur Feststellung der Krankheit.

Im Folgenden finden Sie eine Einzeldarstellung der wichtigsten Symptome, die im Laufe einer Multiplen Sklerose auftreten können. Halten Sie sich vor Augen, dass die meisten Krankheitszeichen nur kurzfristig auftreten und dann für lange Zeit oder sogar für immer wieder verschwinden. Auch sind es nicht so sehr plötzlich auftretende Lähmungen, die das Befinden am stärksten beeinträchtigen. Die meisten MS-Kranken leiden besonders stark unter Müdigkeit und geringer Belastbarkeit. Ein großes Problem für viele Menschen mit der Diagnose MS ist auch die stetige Bedrohung durch die mögliche Verschlechterung der Erkrankung. Denken Sie immer wieder daran, dass die Krankheit bei zwei Dritteln der Betroffenen lange Zeit ohne oder mit nur sehr geringen Behinderungen verläuft.

Sehstörungen

Es können unterschiedliche Beeinträchtigungen des Sehens auftreten, abhängig davon, welche Nerven in Mitleidenschaft gezogen sind. Allerdings muss nicht jede Veränderung der Sehfähigkeit Vorbote oder Zeichen einer Multiplen Sklerose sein.

Am häufigsten verursacht eine Entzündung des Sehnervs die Sehstörungen. Ärzte sprechen dann von Optikus- oder Retrobulbärneuritis. Meistens ist nur ein Sehnerv und damit nur ein Auge betroffen. Im Laufe eines Schubes, der mit Sehstörungen auf einem Auge beginnt, kann es aber nach einer gewissen Zeit auch auf dem anderen Auge zu Einschränkungen der Sehfähigkeit kommen. Dies geschieht allerdings nur selten.

Die Auswirkungen einer Sehnervenentzündung sind für den Patienten auf folgende Weise spürbar: Häufig stellt der Betroffene beim morgendlichen Aufwachen fest, dass er auf einem Auge nicht so gut sieht wie auf dem anderen. Die Umwelt wird wie durch einen Schleier oder Nebel gesehen und einige Farben können nicht mehr richtig unterschieden werden. Neben diesen Erscheinungen des Verschwommensehens und der verminderten Farbwahrnehmung gehören Schmerzen hinter dem Augapfel zu den Krankheitszeichen. Typischerweise lösen Augenbewegungen in dem betroffenen Auge ein Druckgefühl oder ziehende Schmerzen in der Tiefe der Augenhöhle aus. In leichten Fällen kommt es zu einem Flimmern auf einem Auge, das Auge ist bei Helligkeit blendempfindlicher, oder eine kleine Schrift kannplötzlich vom Betroffenen nicht mehr gelesen werden.

Die Beschwerden bilden sich bei den meisten Patienten, die zum ersten Mal eine Sehnervenentzündung haben, auch ohne Behandlung nach einigen Wochen wieder zurück. Bei einigen erfolgt diese Rückbildung nicht ganz vollständig, so dass leichte Beeinträchtigungen der Sehkraft bestehen bleiben können, wie zum Beispiel vermindertes Farbsehen oder ein dunkler Fleck. Bei anderen wiederum kehren diese Krankheitszeichen bei schwerer körperlicher Belastung oder starker Hitze vorübergehend wieder zurück.

In sehr schweren Fällen kann es noch zu einer Verschlechterung der Sehstörung kommen, nachdem der Schub schon abgeklungen ist.

Es können auch Nervenbahnen betroffen sein, welche die Augenbewegungen steuern. In dem Fall kann das Sehen von Doppelbildern auftreten. Diese Sehstörung kommt etwas seltener vor als die oben beschriebenen Sehbeeinträchtigungen. Das Zustandekommen von Doppelbildern ist so zu erklären: Wenn einer der Augenmuskeln durch einen Entzündungsherd im Nervensystem gelähmt ist, kann sich das Auge nicht mehr in alle gewünschten Richtungen bewegen. Beide Augäpfel lassen sich dann nicht mehr gleichzeitig in die parallele Blickrichtung lenken. Damit sieht jedes Auge ein etwas anderes Bild der Umwelt und es entsteht ein Doppelbild. Um dies zu verhindern, kann das Tragen einer so genannten Prismenbrille hilfreich sein.

Das Kleinhirn steuert die Koordination von Bewegungen. Entzündliche Plaques im Kleinhirn können ein nicht einflussbares Zittern des Augapfels (Nystagmus) hervorrufen. Man kann dann einen Punkt nicht mehr richtig mit den Augen fixieren, was bei vielen Arbeiten und insbesondere beim Lesen sehr störend ist. Meist ist der Nystagmus aber nur in Seitwärtsstellungvorhanden und macht kaum Beschwerden.

Neben der Behandlung der Multiplen Sklerose durch einen erfahrenen Neurologen sollten Patienten mit Sehstörungen immer auch von einem Augenarzt betreut werden, der durch Anpassung spezieller Brillen und anderer Hilfsmittel oder mit Hilfe einer Sehschule die störenden Veränderungen erleichtern kann. Bei Doppelbildern hilft neben der schon erwähnten
Prismenbrille z.B. auch eine Kontaktlinse, die ein Auge ausschaltet.

Motorische Störungen

Bei fast allen MS-Erkrankten (90 %) kommt es im Krankheitsverlauf früher oder später zu Bewegungsstörungen wegen erhöhter Muskelanspannung (Spastik), Lähmungen (Paresen) und Koordinationsstörungen. In leichter Ausprägung begleiten sie oft schon die ersten Schübe der MS. Meist bilden sie sich dann aber wieder zurück. In der Regel sind die Beine dabei stärker betroffen als die Arme.

Zu unterscheiden sind folgende motorische Störungen, die im Einzelnen erläutert werden:

  • Muskelsteifigkeit (Spastik)
  • Lähmungen (Paresen)
  • Koordinationsstörungen
  • Gangunsicherheit
  • Sprechstörungen

Muskelsteifigkeit

Viele MS-Betroffene spüren als Krankheitszeichen eine vermehrte Spannung bzw. Steifigkeit ihrer Muskeln. Zu Beginn ist oft nur ein Bein oder sogar nur ein Fuß betroffen. Vielleicht ist das Knie nicht mehr richtig zu beugen oder diese Bewegung erfordert sehr viel Kraft. Eventuell kann ein Fuß nur gegen starken Widerstand der angespannten Muskeln angehoben werden, so dass er beim Gehen zum Hindernis wird. Eine Spastik der Armmuskeln, die meist schwächer ausgeprägt ist als die der Beine, äußert sich so, dass Betroffene Gegenstände schlechter greifen und festhalten können.
Je stärker und je länger ein MS-Kranker sich körperlich belastet, desto mehr kann eine bestehende Spastik zunehmen. Sie kann zudem auch erhebliche Schmerzen verursachen, z.B. wenn sich die Muskeln stark verkrampfen.

Diese Beschwerden sind gut zu behandeln. Zum einen gibt es zahlreiche Medikamente, um die Muskelanspannung zu lindern. Zum anderen helfen verschiedene gymnastische Übungen dabei, die Muskeln weich und geschmeidig zu erhalten. So können Dehnübungen unter Anleitung eines Krankengymnasten der Spastik und Muskelverkürzungen entgegenwirken. Die Behandlung der Spastik ist vom Schweregrad abhängig. Bei sehr schwerer Spastik helfen z.B. Injektionen mit Botulinumtoxin in den Muskel oder das Einsetzen von Medikamentenpumpen.

Lähmungen

Zu der vermehrten Muskelanspannung kann eine Schwäche in den Beinen, weniger häufig in den Armen, hinzukommen. Diese wird oft zunächst als schwere Müdigkeit in den betroffenen Gliedmaßen empfunden. Vor allem nach einer besonderen körperlichen Anstrengung hat der Erkrankte das Gefühl, dass die Beine unendlich schwach und bleiern schwer sind, so dass er sich kaum mehr vom Fleck bewegen kann. Die Muskelschwäche wird von allen Beschwerden der MS am meisten durch Hitze und Anstrengung verstärkt.

Koordinationsstörungen

Zu Problemen mit der Koordination und dem Gleichgewicht kommt es dann, wenn das Kleinhirn als für die Koordination von Bewegungen verantwortlicher Hirnteil oder das Rückenmark als Ort einiger Gleichgewichtsnerven durch die MS in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Abstimmung feinmotorischer Bewegungen in Kleinhirn oder Hirnstamm wird durch entzündliche Plaques gestört. Das geordnete Zusammenspiel von Bewegungen wird beeinträchtigt. In frühen Stadien der Krankheit sind koordinative Störungen eher selten. Mit fortschreitender Erkrankungsdauer kommen sie häufiger vor.

Alle Bewegungsabläufe, in denen das Spiel verschiedener Muskeln genau aufeinander abgestimmt sein muss, werden gröber und ausfahrender, mit einem Wort: unkoordiniert. Menschen mit Koordinationsstörungen stoßen leicht an etwas an oder werfen häufig Gegenstände um. Es wird zum Problem, kleine Dinge mit den Händen gezielt zu greifen. Feinmotorische Störungen behindern z.B. das Schreiben sowie das Schließen von Knöpfen beim Ankleiden. Das Einfädeln eines Fadens in eine Nähnadel wird zur Geduldsprobe. Als weiteres Krankheitszeichen kommt häufig ein Zittern (Tremor) hinzu, das besonders stark wird, wenn eine ganz bestimmte Bewegung ausgeführt werden soll, z.B. ein Gegenstandergriffen oder ein Glas zum Mund geführt werden soll (Intentionstremor).

Es gibt Medikamente, die gegen Tremor eingesetzt werden können sowie medizinische Hilfen. Bei sehr schwerem Tremor besteht auch die Möglichkeit eines operativen Eingriffs.

Gangunsicherheit

Bei einigen MS-Patienten fängt die Krankheit mit dem Gefühl an, wie auf Watte zu gehen, verursacht durch Gefühlsstörungen in den Füßen. Gang- und Gleichgewichtsstörungen gehören zu den sehr häufigen Symptomen der Multiplen Sklerose und beeinträchtigen viele Betroffene im fortgeschrittenen Stadium.

Die Häufigkeit dieser Beschwerden ist allein schon damit zu begründen, dass sie sowohl durch Muskelsteifigkeit und Muskellähmungen als auch durch Gleichgewichtsstörungen ausgelöst werden. Der Gang wird unsicher. Typisches Gangbild ist ein breitbeiniger, schwankender Gang mit Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsschwankungen.

Beruht die Gangstörung vor allem auf einer erhöhten Muskelsteifigkeit (Spastik), wirkt der Gang eher schwerfällig und steif. Bei einigen Patienten steht eine spastische Gangstörung mit typischem Aufschleifen der Fußspitzen im Vordergrund.

Sprechstörungen

Sprechstörungen (Dysarthrien) werden in der Regel durch Koordinationsstörungen im Bereich der Sprechmuskeln verursacht. Die Sprachmelodie und die Feinabstimmung fehlen. Die Lautbildung ist gestört. Das Sprechen klingt undeutlich, abgehackt und skandierend und ist zu laut oder zu leise.

Eine Besonderheit bei MS-Patienten sind plötzliche anfallsartige Sprechstörungen (paroxysmale Dysarthrien), dem Stottern ähnlich. Diese Störungen werden wahrscheinlich durch plötzliche Leitungsunterbrechungen hervorgerufen. Sie lassen sich sehr gut mit kleinen Dosen des Medikaments Carbamazepin behandeln.

Sensibilitätsstörungen

Oft handelt es sich um spontane Missempfindungen, die als Kribbel- oder Spannungsgefühle wahrgenommen werden. Sie treten anfänglich häufig nur in kleinen Körperbereichen auf, zum Beispiel als Gürtelgefühl am Rumpf oder socken- bzw. kniestrumpfförmig an den Beinen. Die Sensibilität kann auch in streifenförmigen oder handtellergroßen Abschnitten an den Beinen oder Armen beeinträchtigt sein. Wenn die Wahrnehmungsstörungen sehr ausgeprägt sind, schränken sie durch den fehlenden Tastsinn die Feinbeweglichkeit ein.

Zu den Sensibilitätsstörungen gehören:

  • Missempfindungen (Parästhesien)
  • Gestörtes Temperaturempfinden

Missempfindungen

Es können ganz verschiedene Empfindungsstörungen in den sensibel gestörten Körperbereichen als Folge einer Entzündung der Myelinscheiden auftreten.

Es ist möglich, dass der betroffene Bereich übermäßig stark auf Berührungen reagiert, so dass zum Beispiel bereits der Stoff der Kleidung auf der Haut ein Brennen oder sogar Schmerzen verursacht. Oft kommt es auch zu einem kribbelnden Gefühl in den betroffenen Gebieten, so als würden Ameisen darüber laufen. Ein weiteres häufiges Erscheinungsbild ist das Taubheitsgefühl, so als wäre ein Arm oder Bein eingeschlafen. Leichte Berührungen der entsprechenden autbereiche oder Nadelstiche werden dabei weniger oder gar nicht wahrgenommen.

Ein weiteres häufig vorkommendes typisches Symptom der MS ist das Nackenbeugezeichen oder Lhermitte-Zeichen, benannt nach dem französischen Neurologen Jacques Lhermitte. Bein Vorwärtsneigen des Kopfes empfinden die Patienten ein mehr oder weniger unangenehmes Elektrisiergefühl entlang des Rückens und manchmal bis in Arme und Beine. Manche Patienten beschreiben die Reaktion auch nur als ein Kribbeln in Händen oder Füßen.

Gestörtes Temperaturempfinden

Neben dem Berührungsempfinden kann bei MS-Betroffenen auch die Wahrnehmung von Temperaturreizen gestört sein. Dabei werden an verschiedenen Körperstellen die Wärme oder Kälte eines Gegenstandes nicht der Temperatur angemessen empfunden oder sogar als schmerzhaft erlebt.

Einige Patienten berichten auch, dass sie Temperaturreize empfinden, wie zum Beispiel Brennen oder Kälte, die durch äußere Ursachen nicht zu erklären sind.

Müdigkeit

Ständige abnorme Müdigkeit, von den Ärzten Fatigue genannt, ist ein häufiges Symptom der Multiplen Sklerose. Diese physische und psychische Erschöpfung kann die Bewältigung des Alltags erschweren und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Das Problem der gesteigerten Ermüdbarkeit wird für viele MS-Kranke noch zusätzlich schwierig, wenn das Symptom in der Familie, bei Freunden oder am Arbeitsplatz auf Unverständnis trifft. Das geschieht gar nicht so selten, weil die rasche Ermüdbarkeit wie auch andere Symptome der Krankheit, wie z.B. Sensibilitäts- und Sehstörungen für die Umwelt nicht sichtbar sind.

MS-Betroffene leiden dann unter dem mangelnden Verständnis ihrer Mitmenschen, für die die Beschwerden nicht nachvollziehbar sind. Nichtwissen um die MS-Symptome ist auch die Ursache dafür, dass die Betroffenen möglicherweise als Simulanten bezeichnet werden, die sich nur zusammenreißen müssten. Dies ist sehr kränkend für die MS-Betroffenen. Nach wie vor ist Müdigkeit in den Augen vieler Menschen ein Hinweis auf mangelnde Disziplin und Labilität. Manche verstehen die Müdigkeit fälschlicherweise als Ausdruck seelischer Störungen. Sie ist aber ein eigenständiges Symptom der MS. Gemeinsame Gespräche von Angehörigen und Patienten beim Arzt können das gegenseitige Verständnis und den Weg der Krankheitsbewältigung erleichtern.

Für den Umgang mit der Müdigkeit sind einige Verhaltensregeln hilfreich. Es ist wichtig, dass MS-Betroffene für einen ausreichend langen und gesunden Schlaf sorgen. Auch während ihrer Beschäftigungen am Tage sollten sie immer wieder Pausen einlegen, Stress möglichst vermeiden und, wenn er sich einmal nicht umgehen lässt, diesen durch längere Ruhephasen ausgleichen. Letztlich verhindert die Ermüdung, dass sich MSPatienten überanstrengen.

Auch Medikamente können gegen MS-bedingte Fatigue eingesetzt werden.

Viele an Multipler Sklerose leidende Menschen haben einen niedrigen Blutdruck. Auch dieser trägt dazu bei, dass sie leichter müde und erschöpft und weniger belastbar sind als Gesunde.

Blasenfunktionsstörungen

Bei Blasenstörungen besteht die Gefahr aufsteigender Harnwegsinfekte, so dass sie immer so früh wie möglich behandelt werden sollten.

Probleme mit der Blase werden häufig in ganz besonderem Maße als Freiheitsbeschränkung empfunden und das, obwohl aus rein medizinischer Sicht andere Symptome wesentlich stärker behindern. Aber diese Empfindung ist nicht verwunderlich, denn wer unkontrollierbaren Harndrang verspürt oder gar die Unfähigkeit, den Harn zu halten, der fühlt
sich an seine Wohnung gebunden – eine Situation, die für viele ein Hindernis darstellt, am normalen Alltagsleben teilzunehmen. Darunter kann auch die Lebensqualität der Betroffenen zum Teil erheblich leiden. Im Ergebnis können Blasenprobleme das Aufrechterhalten eines normalen Soziallebens mit Kontakten zu anderen Menschen erschweren.

Soweit muss es aber nicht kommen. Denn Blasenstörungen sind gut behandelbar. Hierfür gibt es z.B. medikamentöse Therapien oder gezieltes Blasentraining.

Bei den Funktionsstörungen lassen sich folgende Formen unterscheiden:

Überaktive Blase
Dabei kommt es zu häufigem Wasserlassen mit jeweils nur kleinen Mengen Urin. Das ist so zu erklären: Die Muskulatur der Blasenwand ist durch die fehlerhafte Nervenkontrolle überaktiv. Das hat zur Folge, dass sich die Blase nur mit wenig Urin füllen kann und ständig wieder entleert werden muss. Eine überaktive Blase ist nicht gefährlich, aber lästig. Verlässt der Betroffene seine Wohnung, wird die Frage nach der nächsten Toilette zum ständigen Begleiter.

Harnwegsinfektionen
Einige Patienten können ihre Blase nicht vollständig entleeren. Man spricht dann von Harnverhalt. Eine solche erschwerte Blasenentleerung, bei der das Wasser nur unter Anstrengung zu lassen ist, ist gefährlicher als eine überaktive Blase. Wenn sich die Blase nicht ganz entleert, bleibt ein sogenannter Restharn zurück, der zum Nährboden für Bakterien
wird. Dies führt bei MS-Betroffenen vermehrt zu Harnwegsinfektionen. Bakterielle Blasenentzündungen wiederum verstärken häufig die Muskelanspannung in den Beinen.

Inkontinenz
Damit wird die Unfähigkeit bezeichnet, den Harn zu halten. Ursache dafür kann eine Lähmung des Schließmuskels der Blase sein oder eine so genannte Überlaufblase. Dabei bleiben große Restharnmengen in der Harnblase und es kommt zu ungewollten Harnabgängen. Aufgrund der gestörten Empfindung läuft die Blase regelrecht über.

Was ist zu tun?
Lassen Sie Blasenstörungen frühzeitig behandeln. So wird vermieden, dass sich eine gefährliche, chronische Harnwegsinfektion entwickelt. Insbesondere bei Empfindungsstörungen sind zusätzlich regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Urins nötig, damit Ihr Arzt schon bei den ersten Anzeichen einen bakteriellen Harnwegsinfekt feststellen und behandeln kann. Es ist auch möglich, dass ein Harnwegsinfekt Ursache für eine zunehmende, unerklärliche Spastik in den Beinen ist. Dies lässt sich mit einer Urinuntersuchung abklären.

Darmfunktionsstörungen

MS-Erkrankte neigen zur Stuhlverstopfung, medizinisch Obstipation genannt, ausgelöst durch verlangsamte Darmbewegungen und mangelndes Gefühl für den Füllungsdruck im Enddarm. Seltener kann auch eine Verkrampfung des Schließmuskels die Ursache sein. Verstopfung kann aber auch einfach auf Bewegungsmangel beruhen.

Möglich ist ebenfalls, dass es zu plötzlich auftretendem Stuhldrang kommt.

Auswirkungen auf die Sexualität

Multiple Sklerose verursacht jedoch nicht zwangsläufig Probleme in der Sexualität.

Etwa die Hälfte der an MS erkrankten Männer leiden unter einer Erektionsschwäche, seltener handelt es sich um verzögerten oder ausbleibenden Samenerguss. Bei einem Drittel der MS-kranken Frauen kommt es zu Orgasmusstörungen.

Neben diesen beschriebenen Veränderungen können auch die für die MS typischen Bewegungsstörungen das Sexualleben stören.

Aber auch die MS-typische Müdigkeit sowie Selbstwert-Zweifel, Unsicherheiten und Versagensängste können die Sexualität für Menschen mit Multipler Sklerose zu einem Problem machen.

Wenn diese Schwierigkeiten Sie belasten, sprechen Sie Ihren Arzt am besten gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin daraufhin an. Neue Medikamente sowie eine gezielte problemorientierte Beratung können Ihnen helfen.

Psychische Veränderungem

Verschiedene psychische Veränderungen können in Verbindung mit der Multiplen Sklerose stehen. So ist es möglich, dass Störungen des Antriebs, der Konzentration und der Aufmerksamkeit sowie eine reduzierte Belastbarkeit den neurologischen Funktionsstörungen vorausgehen. Früher hat man diese Veränderungen oft als seelische Erkrankung verkannt. Heute betrachtet man diese Störungen als eigenständiges Symptom der MS.

Vom Arzt mit der Diagnose MS konfrontiert zu werden und damit die Gewissheit zu haben, an einer chronischen Krankheit zu leiden, löst häufig eine reaktive Depression aus, die in der Regel vorübergeht. Depressionen bei MS-Betroffenen werden im Verlauf der Krankheit aber auch durch die Reaktionen auf die verschiedenen Symptome immer wieder verstärkt. In späteren Stadien der Erkrankung sind es die hinzukommenden Funktionsverluste, die im täglichen Leben jeweils aufs Neue bewältigt werden müssen und immer wieder sehr belastend sind.

Es ist nur allzu verständlich, dass Betroffene mit Trauer und Depression auf die Diagnose MS reagieren. Andere versuchen, die Krankheit zu ignorieren bzw. zu verdrängen und wieder andere werden wütend. Diese Reaktionen sind auf Dauer aber nicht zuträglich und müssen vorübergehend sein, sonst können sie die Behandlung und Verarbeitung der Symptome erschweren. Viele Patienten durchleben nach dem ersten Schock in verschiedener Intensität alle diese gefühlsmäßigen Stadien, bevor es ihnen gelingt, die MS als Tatsache in ihrem Leben zu akzeptieren. Es ist wichtig, dass Sie einen Ansprechpartner haben, mit dem Sie alle aufkommenden Fragen und Probleme offen und vertrauensvoll besprechen können. Das kann zum Beispiel Ihr Hausarzt sein oder Ihr Neurologe oder Ihr Apotheker. Wenn Sie spüren, dass Sie mit der Krankheit seelisch allein nicht fertig werden, sollten Sie sich nicht scheuen, rechtzeitig psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese kann Sie dabei unterstützen, die Anforderungen, welche die Krankheit und das alltägliche Leben an Sie stellen, besser zu meistern. Wenn es Ihrer Psyche gut geht, ist es einfacher für Sie, auch mit der Erkrankung eine gute Lebensqualität zu haben.

Neben der einfühlbaren depressiven Reaktion auf die Diagnose können aber auch unabhängig von der Schwere und der Aktivität der Erkrankung Depressionen auftreten, die eine Behandlung mit Medikamenten erfordern. Auch andere beeinträchtigende psychische Symptome sind medikamentös in den Griff zu bekommen.

Schwere psychische Veränderungen treten bei der MS nur äußerst selten auf.

Schmerzen

Dabei ist zwischen akuten und chronischen Schmerzen zu unterscheiden. Akute Schmerzen treten meist anfallsartig auf, so z.B. eine Trigeminus-Neuralgie, ein Nervenschmerz im Gesicht, oder schmerzhafte Beugespasmen. Zu chronischen Schmerzen kommt es z.B. in Gelenken, Muskeln, Sehnen oder Bändern. Dazu gehören auch Rückenschmerzen und die Wahrnehmungen, die von Patienten z.B. als Kribbeln oder Pieken bezeichnet werden.

Die Ursachen für Schmerzen bei der MS können ganz verschieden sein. Sehr häufig werden Schmerzen durch entzündliche Plaques in bestimmten Leitungsbahnen im Rückenmark ausgelöst. Diese Plaques rufen dauerhafte, nicht allzu starke dumpfe oder stechende Schmerzen in Beinen und Armen hervor.

Auf der einen Seite kann eine ausgeprägte Spastik mit Schmerzen einhergehen. Aber auf der anderen Seite können auch allgemeiner Bewegungsmangel zu Osteoporose sowie Haltungsstörungen zu frühzeitigen Abnutzungserscheinungen an den Gelenken und der Wirbelsäule führen, die wiederum chronische Schmerzen verursachen.

Krankheitsherde im Bereich der Leitungsbahnen für den sensiblen Gesichtsnerven Trigeminus bewirken bei etwa jedem zehnten MS-Patienten anfallsartige, meist nur kurz andauernde Schmerzen im Gesicht. Meist schießt der Schmerz einseitig in den Ober- und Unterkiefer ein, selten in den Stirnbereich und die Augen und geht rasch vorüber. Durch Bewegungen beim Kauen oder Sprechen können die Schmerzen ausgelöst bzw. verstärkt werden. Eine Verwechslung mit Zahnschmerzen ist möglich. Häufig tritt eine solche Attacke nur einmal auf. Sollte es jedoch zu wiederholten Schmerzattacken kommen, welche die Lebensqualität immer wieder beeinträchtigen und medikamentös nur schwer beeinflussbar sind, sollte auch eine operative Behandlung des Nervs erwogen werden.

Die meisten Schmerzarten bei MS sind mit den modernen Therapiemöglichkeiten in den Griff zu bekommen. Für die Wirksamkeit der Schmerzbehandlung ist es wichtig, sie konsequent durchzuführen. Nehmen Sie Schmerzen nicht als gegeben hin und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber, wenn neue Schmerzen hinzugekommen sind. Eine Kombination von medikamentöser Therapie mit Tabletten und Spritzen und anderen Behandlungsansätzen wie z.B. Physiotherapie, Massagen und Akupunktur ermöglicht eine wirkungsvolle Schmerztherapie.

Diagnose MS

Diagnose

Beim ersten Schub, insbesondere, wenn die neurologische Untersuchung keine Funktionsstörung erkennen lässt, wird der Arzt versuchen, die Diagnose durch weiterführende Untersuchungen abzuklären. MS zu diagnostizieren, ist ein sehr komplexer Prozess. Bis heute gibt es keinen direkten „Positiv- oder Negativ“-Test für MS.

Vorgschichte und neurologische Untersuchung

Vom Arzt werden Sie eingehend zu Ihren aktuellen Symptomen und deren Verlauf befragt. Bei der MS handelt es sich um eine sehr komplexe neurologische Erkrankung. Daher erfolgt die Diagnosestellung vorzugsweise durch einen Neurologen. Um den Beginn Ihrer MS erfassen zu können, ist Ihre Vorgeschichte besonders wichtig. Teilen Sie alle Beschwerden mit, unter denen Sie zu leiden hatten. Auch solche, die Ihnen vielleicht so harmlos erschienen sind, dass Sie sie nicht ernst genommen haben. Es geht zunächst darum, festzustellen, welche körperlichen Störungen bei Ihnen vorhanden sind, wann und unter welchen Begleitumständen sie aufgetreten sind und ob Sie ähnliche Symptome schon früher hatten. Zur Diagnosesicherung gehört auch der Ausschluss anderer Erkrankungen. Denn viele neurologische Symptome der MS können auch Ausdruck anderer Krankheiten sein. Nach der Befragung wird Sie der Arzt gründlich untersuchen.

Bei der neurologischen Untersuchung prüft der Arzt verschiedene Körperfunktionen, die durch bestimmte Nervenbahnen und Hirnregionen gesteuert werden. Gesucht wird dabei nach Anzeichen für neurologische Veränderungen. Diese Tests sind einfach durchzuführen und verursachen keine Schmerzen.

Zu Beginn der Untersuchung werden die Hirnnervenfunktionen geprüft. Beurteilt werden dabei Sehschärfe, Gesichtsfeld, Augenhintergrund, Beweglichkeit der Augen und die mimische Muskulatur sowie außerdem Hören, Riechen, Schlucken und Sprechen. Bei besonderen Fragestellungen sollte ein Augenarzt und/oder ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu Rate gezogen werden.

Um das Oberflächengefühl zu prüfen, streicht der Arzt mit einem Wattebausch über Ihre Haut. Er möchte von Ihnen dann wissen, ob Sie die Berührung in bestimmten Körperregionen weniger, stärker oder andersartig empfunden haben.

Der Arzt berührt mit einem spitzen Gegenstand verschiedene Hautregionen, um so die Funktion schmerzleitender Nerven zu kontrollieren.

Zur Überprüfung der Muskelkraft wird der Arzt Sie auffordern, gegen den Widerstand seines Armes Beuge- und Streckbewegungen auszuführen. Beim Bewegen von Armen und Beinen lassen sich am Widerstand Ihrer Muskeln gegebenenfalls Hinweise auf eine erhöhte Muskelspannung (Spastik) finden.

Koordinationsstörungen werden festgestellt, indem man ganz bestimmte Bewegungsabläufe kontrolliert. Beim Finger-Nase-Versuch wird die Zielsicherheit geprüft, indem der Patient einen Zeigefinger bei geschlossenen Augen zur Nasenspitze führt. Bei einem anderen Versuch soll das linke Knie mit der Ferse des rechten Beines berührt werden. Die Gangunsicherheit zeigt sich am deutlichsten beim so genannten Seiltänzergang mit geschlossenen Augen.

Das Prüfen der Sehnenreflexe z.B. an Füßen, Knien und Ellbogen mit einem Reflexhammer gibt dem Arzt Aufschluss über die Steuerung der Muskeltätigkeit.

Häufig haben Patienten mit Multipler Sklerose sehr lebhafte Reflexe. Es kommt auch zu krankhaften Reflexen. Dazu gehört der Babinski-Reflex: Wenn sich beim Bestreichen der seitlichen Fußsohle die Großzehe nach oben bewegt bei gleichzeitigem Spreizen der übrigen Zehen, dann handelt es sich um dieses Phänomen.

Im Rahmen der neurologischen Untersuchung wird der behandelnde Arzt Sie auch nach vegetativen und sexuellen Funktionsstörungen fragen.

Der Urologe ist ein von MS-Betroffenen häufig zu Rate gezogener Facharzt, denn nur er kann bei einer Blasenstörung feststellen, wodurch sie bedingt ist und dem Patienten mit der richtigen Therapie helfen.

Mit Hilfe einer Skala kann der Neurologe die Befunde seiner Untersuchung einordnen. Diese Skala, weltweit EDSS nach Kurtzke (Expanded Disability Status Scale – Bewertungsskala der MS) genannt, ermöglicht es ihm, den Grad der Behinderung einzuschätzen. In regelmäßigen Abständen wird der Behinderungsgrad des Patienten dann mit einem standardisierten Bewertungsbogen erfasst. Es werden die Gehfähigkeit und weitere acht Funktionssysteme bewertet, so z.B. Sensibilität, Motorik, mentale Funktionen und andere. Bei jeder folgenden Untersuchung kann der Arzt anhand dieser Kriterien feststellen, ob und in welchem Maße sich die Krankheit verändert hat.

Die EDSS misst also MS-bedingte Beeinträchtigungen und bewertet sie mit einem Punktesystem. Die bei den verschiedenen Funktionssystemen ermittelten Werte dienen dazu, einen Gesamtwert der Behinderung zu bestimmen, der in Schritten von jeweils einem halben Punkt (außer zwischen 0 und 1) in einer Skala von 0 bis 10 gemessen wird.

Kernspintomografie

Ergibt die neurologische Untersuchung durch auffällige Befunde und typische Symptome den begründeten Verdacht auf eine MS, dann wird in einem nächsten Schritt die Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) als wichtiger Baustein für die Diagnose zum Einsatz kommen. Sie kann als bildgebendes Diagnoseverfahren die Entzündungsherde und Vernarbungen im zentralen Nervensystem sichtbar machen. Bei über 90 % aller Betroffenen zeigen sich dabei diese Veränderungen, obwohl sie erst ab einer bestimmten Größe abgebildet werden können. Zur Absicherung der Diagnose wird zusätzlich eine Liquoruntersuchung durchgeführt. Dabei handelt es sich um die Untersuchung des Nervenwassers.
Liquorveränderungen können den in der MRT darstellbaren Veränderungen vorausgehen.

Sie werden bei der Kernspintomografie (MRT-Untersuchung) keiner Belastung durch ionisierende Röntgenstrahlen ausgesetzt, da zur Darstellung von Geweben ein Magnetfeld genutzt wird. Wenn Sie einen Herzschrittmacher oder Metallimplantate wie zum Beispiel ein künstliches Gelenk oder Innenohrprothesen tragen, sollten Sie unbedingt vorher Ihren Arzt informieren, da diese durch das Magnetfeld außer Kraft gesetzt werden und Schaden nehmen können.

Die Durchführung der Untersuchung ist harmlos. Aber viele Patienten empfinden es als unangenehm, dass sie etwa 30 Minuten lang in einer Röhre liegen und sich nicht bewegen dürfen. Wenn solche Situationen Sie sehr nervös machen oder sogar Platzangst bei Ihnen auslösen, kann der Arzt Ihnen vorab ein Beruhigungsmittel geben. Gegen die lauten Geräusche, die das Gerät verursacht, können Sie Ohrstöpsel oder Kopfhörer bekommen. Ein Signalknopf in der Hand ermöglicht Ihnen, sich mit dem medizinischen Personal zu verständigen, wenn Sie sich in der Röhre befinden.

Die Kernspintomografie führt man zu Beginn der Erkrankung durch, um die Diagnose zu bestätigen, aber auch, um das Ausmaß der Krankheit zu dokumentieren. Denn diese Untersuchung ist ein geeignetes Instrument zur Kontrolle, um im weiteren Verlauf die Krankheitsaktivität zu beobachten und die Therapie zu kontrollieren. Dabei ist es notwendig, ein Kontrastmittel mit dem Namen Gadolinium in die Vene zu spritzen, um aktive, kontrastmittelaufnehmende entzündliche Herde (Läsionen) sichtbar zu machen. Da Sie bei der MRT-Untersuchung keinen Röntgenstrahlen ausgesetzt sind, kann der Test so oft wie nötig wiederholt werden.

Mit diesen Kontrollen hat man bei vielen Patienten herausgefunden, dass sich neue entzündliche Plaques auch dann bilden, wenn der Patient keine Beschwerden hat. Die Krankheit kann also auch in der subjektiv stabilen Zeit zwischen den Schüben aktiv sein.

Liquoruntersuchung

Die Untersuchung des Nervenwassers kann dazu beitragen, zusätzliche Belege für die Diagnose der MS zu liefern. Entzündliche Veränderungen im Bereich des zentralen Nervensystems sind mit der Liquoruntersuchung festzustellen. Das Nervenwasser, in der medizinischen Fachsprache Liquor cerebrospinalis genannt, umspült und schützt Gehirn und Rückenmark. Die Entnahme der Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelkanal geschieht mit einer speziellen Hohlnadel (Kanüle) zwischen den Lendenwirbelkörpern in Höhe des 3./4. oder 4./5. Lendenwirbels. Dieser Vorgang wird Lumbalpunktion genannt.

Der Arzt markiert im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule die Einstichstelle und schiebt dann beim sitzenden Patienten eine Nadel in den unteren Teil des Wirbelkanals. Dabei kann das Rückenmark selbst nicht geschädigt werden, da es weiter oberhalb der punktierten Stelle endet. Durch den Verlust von einigen Millilitern Nervenwasser und den dabei entstandenen Unterdruck kann es beim Patienten – meist erst nach 24 Stunden – zu Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit und Übelkeit kommen. Diese Symptome lassen deutlich nach oder können sogar verschwinden, sobald der Betroffene sich hinlegt. Sie sollten sich nach der Untersuchung ein bis zwei Stunden zur Ruhe legen und viel trinken. Die Beschwerden können sehr ausgeprägt sein und einige Tage anhalten. Die Kopfschmerzen lassen sich mit einfachen Schmerzmitteln behandeln.

Im Liquor von MS-Erkrankten finden sich typischerweise erhöhte Konzentrationen von Immunglobulinen (= Eiweißkörper als Träger der Immunität), die im Rahmen der Autoimmunreaktion im ZNS selbst gebildet werden. Diese Immunglobuline sind imstande, sich in so genannten oligoklonalen Banden zusammenzulagern. Dies macht man sich für die Diagnostik der MS zunutze. Bei etwa 90% der Menschen mit MS zeigt die Analyse des Nervenwassers oligoklonale Banden, die allerdings auch bei anderen Erkrankungen auftreten können.

Die Liquoruntersuchung ist also wichtig, da sich entzündliche Erkrankungen des Nervensystems durch eine Erhöhung der Zahl bestimmter Zellen und durch das Auftreten spezieller Immunglobuline im Nervenwasser (Liquor) widerspiegeln.

Nur durch die Liquordiagnostik ist der entzündliche Charakter der Erkrankung zu beweisen.

Evozierte Potentiale

Mit ihr kann man die Leitgeschwindigkeit von Impulsen nach einem gesetzten Reiz messen.

Die verzögerte Leitfähigkeit in einem erkrankten Sehnerv ist mit den so genannten visuell evozierten Potenzialen (VEP) nachzuweisen. Dabei wird jedes Auge einzeln optischen Impulsen ausgesetzt wie z.B. Lichtblitzen. Eine andere Möglichkeit: Man bittet Sie, sich auf ein Bild mit Schachbrettmuster zu konzentrieren, das in der Mitte ein winziges Quadrat zeigt. Damit können die Impulse, die sich entlang des Sehnerven vom Auge zum Gehirn bewegen, verfolgt und ihre Geschwindigkeit erfasst werden. Eine Elektrode, die an der Kopfhaut angebracht ist, leitet das Eintreffen dieser Impulse ab. Wenn die Leitfähigkeit eines Sehnervs durch MS-Plaques gestört ist, kommt der Impuls später oder verändert im Sehzentrum an. Dieser Test kann insbesondere bei einem Menschen mit klinisch normaler Sehkraft dazu beitragen, die Diagnose MS zu erhärten.

Mit der Gesichtsfelduntersuchung gibt es eine weitere Möglichkeit, typische Defekte zu entdecken, zum Beispiel einen fleckförmigen Ausfall, eine dunkle oder graue Stelle im Gesichtsfeld, medizinisch Skotom genannt. Skotome werden auch bei Wärme, Ermüdung oder Anstrengung wahrgenommen.

Außerdem wird die Leitfähigkeit sensibler Nerven (sensibel evozierte Potenziale = SEP) und des Hörnervs (akustisch evozierte Potenziale = AEP) gemessen. Die Ableitung akustisch hervorgerufener Potenziale erfolgt so: Das zu untersuchende Ohr wird Klicklauten ausgesetzt, während man das andere Ohr mit einem Rauschton ablenkt. Die Klicklaute lösen Nervenimpulse aus, die sich durch Elektroden an der Kopfhaut, die über der Hörbahn und dem Hörzentrum im Gehirn angebracht sind, ableiten und aufzeichnen lassen. Das zeitliche Eintreffen der Impulse und das Bild der abgeleiteten Kurven erlauben Rückschlüsse auf entzündliche Veränderungen des Hörnervs.

Auch die Leitfähigkeit der motorischen Bahnen kann man heute mit Hilfe der Magnetstimulation messen und für die Diagnose und Verlaufsbeobachtung verwenden.

Die Messung evozierter Potenziale (EP) ist vor allem für die Verlaufskontrolle der MS hilfreich.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass weder die Ergebnisse der MRT noch evozierte Potenziale oder Untersuchungen der Rückenmarksflüssigkeit allein für die Diagnose einer MS ausreichend sind. Die Diagnosesicherung beruht auf der Gesamtheit dieser Untersuchungsmethoden, niemals auf einem dieser Tests allein.

Für eine gesicherte Diagnose der MS müssen spezifische diagnostische Kriterien erfüllt sein. Im Jahr 2001 wurden solche mit den so genannten „Mc Donald“-Kriterien“ eingeführt. Sie erfordern neben klinischen Befunden auch mehrere MRT-Aufnahmen innerhalb eines Viertel- bis halben Jahres und erlauben so eine frühzeitigere Diagnose der MS als bisher.

Mit MS leben

Allgemein

Es ist verständlich, dass fast alle Betroffenen zunächst schockiert auf die Diagnose reagieren. Wenn Ihnen das Leben mit der Multiplen Sklerose sinnlos erscheint und Sie große Angst vor der Zukunft haben und keine Kraft mehr finden, gegen die Müdigkeit anzukämpfen und Ihr Leben zu meistern, dann sollten Sie unbedingt psychotherapeutischen Rat suchen.

Depressive Stimmungen gehören meist zu den Folgen der chronisch entzündlichen Veränderungen im zentralen Nervensystem und spiegeln keineswegs – wie manche Betroffene glauben – ihre persönliche Unfähigkeit wider, mit der Krankheit fertig zu werden. Es gibt die Möglichkeit, das Stimmungstief mit Hilfe von Medikamenten, z.B. einer pflanzlichen Zubereitung aus Johanniskraut oder einem modernen Antidepressivum, zu überwinden.

Die meisten an MS erkrankten Menschen können und sollten ein nahezu normales Leben führen. Dazu gehört auch die Pflege soziale Kontakte und Interessen, um sich in der persönlichen Lebenssituation möglichst gut zu fühlen und die Krankheit nicht zum alles beherrschenden Thema im Leben werden zu lassen.

MS, was nun?

Vielleicht wollen Sie sich anfangs nur etwas näher über Multiple Sklerose informieren, müssen dann aber von Ihrem Arzt erfahren, dass bei Ihnen tatsächlich der Verdacht auf eine MS besteht oder sogar, dass Sie an MS erkrankt sind. Die Reaktion darauf ist bei vielen Betroffenen ein innerlicher Kampf zwischen Ablehnung und langsamer Akzeptanz. Man fragt sich: „Warum gerade ich?“ und sucht nach Ursachen und Erklärungen. Gleichzeitig aber kann die Gewissheit auch Erleichterung bringen. Jetzt haben Sie einen Namen für die vielfältigen Symptome, unter denen Sie womöglich schon lange zu leiden haben. Zumindest war nicht alles nur „bloße Einbildung“. Nun werden alle bisherigen Informationen über die MS zum Ausgangspunkt für viele neue offene Fragen.

Sie haben vermutlich gehört, dass MS nicht heilbar ist, sich Ihr Zustand im Laufe der Zeit verschlechtern wird, und dass man den Verlauf der Krankheit nicht genau vorhersagen kann, weil sie bei jedem Patienten anders verläuft. Wie die meisten Betroffenen sehen auch Sie sich früheroder später im Rollstuhl. Das ist nicht verwunderlich, wird er doch von
den meisten Medien als aussagekräftigstes bildliches Symbol der Krankheit verwendet. Tatsächlich jedoch benötigt ein Großteil der Patienten den Rollstuhl nur für eine kurze Zeit oder auch gar nicht.

Die MS ist zwar noch nicht heilbar, aber man kann sie immer besser behandeln. Mit modernen Medikamenten kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Damit lassen sich Anzahl und Schwere der MSSchübe vermindern sowie ein Fortschreiten der Behinderung verlangsamen. Viele Symptome lassen sich auch durch Medikamente, spezielle Gymnastik bzw. Physiotherapie mildern oder beseitigen. Für die Patienten ist damit eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität verbunden.

Information ist ein erster wichtiger Schritt zur Bewältigung der Multiplen Sklerose. Je mehr Sie wissen und je realistischer Ihre Erwartungen bezüglich Ihrer Erkrankung sind, desto weniger werden Sie von unnötigen Ängsten geplagt. Wer sich aktiv mit seiner Erkrankung auseinandersetzt, vermag so, die zerstörerische Wechselwirkung von Panik und Verdrängungsmechanismen zu vermeiden.

Verarbeiten der Diagnosse

Der anfängliche Schock auf die Diagnose Multiple Sklerose ist angesichts der Tragweite des Befundes und der neuen Situation völlig verständlich und normal. Das Verarbeiten braucht Zeit. Sie stehen nun vor der Aufgabe, Ihr Leben in seiner Planung und Gestaltung auf eine chronische Krankheit umzustellen, die mit all ihren möglichen Folgen immer gegenwärtig ist – auch dann, wenn zeitweilig keine Beschwerden auftreten.

Die Erfahrung zeigt, dass Betroffene besonders am Anfang die heftigsten Gefühlszustände durchleben: Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Depression oder auch Selbstmitleid. Bittere Erkenntnis folgt auf Verdrängen, Hoffnung und Bedrücktheit wechseln einander ab.

Dies ist der erste Schritt zur Krankheitsbewältigung. Es ist wichtig für Sie, sich bewusst zu machen, dass all Ihre heftigen Empfindungen natürlicher Bestandteil einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Krankheit sind und in dieser Hinsicht auch hilfreich. Die negativen Gefühle dürfen jedoch auf Dauer nicht überwiegen. Wenn es Ihnen nicht gelingt, aus dem Stimmungstief herauszukommen, sollten Sie auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ideale Anlaufstellen dafür sind die Beratungsstellen der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft).

Letztlich ist es für Sie notwendig, Ihren Zustand anzunehmen. Deshalb ist es nicht gut, wenn Sie auf dem Weg dahin zu lange in Trauer und wütender Ablehnung verharren. Die MS ist von nun an zwar Bestandteil Ihres Lebens, sie sollte aber nicht zum Mittelpunkt werden.

Der wichtigste Schritt, mit der MS leben zu können, ist also, sie zu akzeptieren. Dann können Sie Ihre Energie dazu nutzen, das „Management“ Ihrer Krankheit aktiv in die Hand zu nehmen und Ihr Leben bewusst zu gestalten.

Informieren Sie sich ausführlich über Ihre Krankheit und die heutigen Behandlungsmöglichkeiten. Ziel jeder Therapie ist die bestmögliche Lebensqualität für Sie. Wenn Sie Ihren Gesundheitszustand akzeptieren, leben Sie damit wesentlich besser als jemand, der sich vor der Tatsache verschließt und sich ständig massiven Zukunftsängsten aussetzt, auch wenn er kaum unter Symptomen zu leiden hat.

Es hilft Ihnen, krankheitsbedingte Grenzen anzunehmen. Wenn Sie manchen liebgewordenen Aktivitäten oder Sportarten in Zukunft nicht mehr nachgehen können, so gibt es bestimmt neue, bislang verborgene Talente zu entdecken, die sich mit Ihrer neuen Lebenssituation vereinbaren lassen.

Erkennen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und gehen Sie achtsam mit ihnen um. Wenn Sie das bisher nicht getan haben, so sollte die Krankheit Anlass sein, es von nun an zu tun. Lernen Sie, auf Ihren Körper zu hören und Ihre Gefühle, Bedürfnisse und physischen Grenzen zu achten.

Ratschläge für eine gesunde Lebensweise

Planung und Gestaltung des Tagesablaufes

Es ist wichtig, dass Sie bei jeder Tätigkeit, sei es im Beruf, im Haushalt oder in der Freizeit, regelmäßig ausreichend lange Pausen einplanen, wenn Sie sich in Ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt fühlen. Nach kurzen Unterbrechungen ihrer Arbeit von ca. fünf bis zehn Minuten sind die meisten MS-Betroffenen wieder erholt und belastbar.

Sie sollten ungewöhnliche körperliche Anstrengungen und – soweit möglich – auch seelischen Stress vermeiden. Falls Sie z.B. bei der Arbeit oder beim Sport Einschränkungen feststellen, dann versuchen Sie nicht, dagegen anzukämpfen, sondern in Zukunft diese Belastungen Ihrer Leistungsfähigkeit anzugleichen.

Seien Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten aktiv. Vielleicht haben Sie Freude daran, sich ehrenamtlich zu engagieren, zum Beispiel in der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Alle Beschäftigungen, die Sie gern machen und die Ihnen Bestätigung bringen, sind gut für Sie.

Sorgen Sie für ausreichend langen und regelmäßigen Schlaf. Ein Mittagsschlaf kann sich günstig auf Ihre Leistungsfähigkeit auswirken. Das sollten Sie nutzen, wenn Ihre Aufgaben sich damit vereinbaren lassen. Vielleicht können Sie Ihre Arbeit am Nachmittag oder Abend noch fortsetzen.

Viele MS-Patienten reagieren schon auf geringfügige Schwankungen der Körpertemperatur oder der Umgebungstemperatur mit einer Verschlechterung ihres Befindens. Das bedeutet zwar in den meisten Fällen keinen neuen Schub. Es ist aber sehr unangenehm, wenn sich in der Wärme die Steifigkeit der Muskeln, die Koordinationsstörungen oder die Müdigkeit stärker bemerkbar machen. Wenn Sie temperaturempfindlich sind, sollten Sie vor allem Überhitzungen vermeiden, wie zum Beispiel ausgedehnte Sonnenbäder, Saunabesuche, heiße Wannenbäder und Thermalbäder. Auch Fieber kann bei vielen MS-Betroffenen eine Verschlechterung des Zustands auslösen oder alte Symptome wieder zum Vorschein bringen. Mit Fieber verbundene Verschlechterungen sind kein Schub. Es ist wichtig, die erhöhte Temperatur frühzeitig mit Hilfe von fiebersenkenden Mitteln, wie zum Beispiel Paracetamol, zu senken.

Ernährung

Ernähren Sie sich gesund und vielseitig. Lassen Sie sich nicht einreden, dass eine spezielle Diät in der Lage sei, die Multiple Sklerose zu heilen. Mit keiner der bisher entwickelten speziellen Diäten lässt sich die MS beeinflussen. Viele teure Diäten sind MS-Kranken schon empfohlen worden und das Resultat kann so aussehen, dass Sie durch einseitige Kostformen bald unter Mangelerscheinungen leiden, die Ihren Körper unnötig belasten.

Sie sollten darauf achten, dass Ihre Nahrung nicht zu kalorienreich ist, dafür aber reich an Vitaminen und Mineralien zur Stärkung des Immunsystems und an Ballaststoffen für eine gute Verdauung. Gemüse, Obst und Salate enthalten viele Vitamine. Die Freude am Essen und Trinken soll natürlich auch nicht zu kurz kommen.

Sorgen Sie dafür, dass Sie weder zuviel noch zuwenig wiegen. Am besten halten Sie Normalgewicht. Trinken Sie ausreichend, normalerweise insgesamt zwei Liter täglich. Gut geeignet sind kalorienarme Getränke wie z.B. Wasser, Saftschorlen und Tee. Nehmen Sie viel Flüssigkeit zu sich, bleibt auch der Darm in Bewegung. Zudem werden Nieren und Blase gut durchgespült. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wie viel Sie persönlich täglich trinken sollen, denn es gibt Erkrankungen, die nicht zu viel Flüssigkeit erlauben.

Genussmittel

Meiden Sie Alkohol, vor allem in größeren Mengen. Gegen ein bis zwei Gläser Wein oder Bier ab und zu haben die meisten Ärzte aber nichts einzuwenden. Beim Rauchen sieht es anders aus. Unabhängig davon, in welchem Stadium der Krankheit Sie sich befinden: Auf Zigaretten sollten Sie ganz verzichten. Wenn es Ihnen gar nicht gelingen sollte, das Rauchen aufzugeben, dann versuchen Sie wenigstens Ihren Zigarettenkonsum einzuschränken auf fünf bis maximal zehn Zigaretten am Tag. Außerdem gibt es verschiedene Rauchentwöhnungsmethoden, bei denen Ihnen Ihr Arzt gern helfen wird. Sie müssen bedenken, dass Rauchen früher oder später zu Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen führt und entzündungsfördernd ist. Damit werden Sie noch mehr Probleme bekommen, als Ihnen die MS möglicherweise ohnedies schon bereitet.

Bei all diesen Hinweisen sollten Sie aber das Wichtigste nicht vergessen: Trotz Ihrer Krankheit können Sie sich Ihres Leben freuen. Leben Sie bewusster und genießen Sie jeden schönen Augenblick. Schaffen Sie sich selbst eine Vielzahl schöner Momente und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf alles Gute und Ihnen Wohltuende. Nutzen Sie jede Gelegenheit, sich – auf Ihre ganz individuelle Art – eine Freude zu bereiten.

Bewegung und Sport

Körperliche Betätigung hat eine positive Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Menschen mit MS sollten so früh wie möglich mit einem Bewegungsprogramm beginnen, wobei sich die sportlichen Aktivitäten nach den Grenzen richten, die durch die Krankheit vorgegeben sind. Die Bandbreite der sportlichen Möglichkeiten ist so vielfältig wie die Erscheinungsbilder der MS. Es gilt, die für Sie passenden Aktivitäten zusammen mit Ihrem Arzt herauszufinden und dabei auf Ihr Krankheitsbild abzustimmen. Allen Betroffenen wird mäßige sportliche Betätigung im Rahmen Ihrer Möglichkeiten gut tun. Es ist auch dann sehr wichtig, möglichst früh mit dem Sport zu beginnen, wenn Sie bisher nur wenige Schübe hatten und sich alle Symptome nach den Schüben wieder zurückgebildet haben.

Wenn Sie bisher eher wenig oder keinen Sport gemacht haben, werden Sie sich zunächst vermutlich schwer tun mit dem Gedanken an regelmäßige sportliche Betätigung. Daher ist es wichtig für Sie, sich ein Bewegungsprogramm auszusuchen, das Ihnen Freude bereiten wird. Zudem sollte sich die sportliche Betätigung zeitlich gut mit Ihren beruflichen und privaten Anforderungen verbinden lassen. Damit wären gute Voraussetzungen zur regelmäßigen Bewegung geschaffen. Denn nur wenn Sie den Sport gern ausüben, werden Sie dies auch auf Dauer tun.

Einige Grundsätze sind dabei zu beachten: Eine wichtige Regel für alle Sporttreibenden mit Multipler Sklerose besagt, nur bis zur Grenze der Belastbarkeit zu gehen und nicht darüber hinaus. Mannschaftssportarten sind in vielen Fällen eher ungeeignet. Sie dürfen ermüden, sich aber nicht verausgaben und völlig erschöpft sein. Sie haben das Ausmaß Ihrer Belastung dann richtig gewählt, wenn Sie spätestens eine Stunde nach dem Sport wieder ganz erholt sind. Nach einer sportlichen Betätigung sollten Sie sich immer ausruhen.

Besonders häufig wird MS-Patienten regelmäßiges Schwimmen empfohlen. Ein Vorteil dieser Sportart ist, dass der gesamte Körper im Wasser durch den Auftrieb entlastet wird. Wenn Sie wärmeempfindlich sind, sollten Sie es vermeiden, in Warmwasserbecken mit Temperaturen über 27°C zu schwimmen. Auch Thermalbäder mit teilweise weit höheren Temperaturen sind nicht geeignet und können Sie rasch erschöpfen. Bei Infektanfälligkeit sollten Sie zu Zeiten von Erkältungskrankheiten öffentliche Schwimmbäder meiden. Radfahren ist ein gutes Training für die Beinmuskulatur und die gesamte Kondition, allerdings nicht geeignet, wenn Koordinationsstörungen Sie unsicher machen. Dann sollten Sie auf das Radfahren verzichten. Eine Alternative kann ein spezielles Dreirad sein.

Reiten ist eine besonders günstige Sportart für MS-Kranke. Denn dabei wird der Gleichgewichtssinn trainiert und gleichzeitig wirkt der Bewegungsablauf einer vermehrten Muskelsteifigkeit entgegen. MS-Patienten, deren Beweglichkeit stärker eingeschränkt ist, profitieren von der Reittherapie (Hippotherapie), die unter Anleitung einer speziell ausgebildeten Fachkraft durchgeführt wird.

Auch beim Tennisspielen und anderen Ballspielen werden die Rückenund Beinmuskeln sowie die Koordination verschiedener Bewegungen trainiert. Achten Sie bei jeder Sportart darauf, die wichtige Aufwärmphase vor der eigentlichen Belastung einzuhalten. Nach der körperlichen Aktivität ist die Phase der Entspannung, bei der Sie die eingesetzten Muskelgruppenvorsichtig dehnen, ebenso wichtig.

Während eines Schubes und auch noch einige Wochen danach dürfen Sie keinen Sport ausüben. In dieser Zeit ist es aber sinnvoll, mit Hilfe einer krankengymnastischen Heilbehandlung der Einschränkung Ihrer Beweglichkeit vorzubeugen. Leiden Sie auch zwischen den Schüben unter stärkeren Bewegungseinschränkungen durch Spastik oder Lähmungserscheinungen, sollten Sie unter Anleitung einer krankengymnastischen Fachkraft spezielle Bewegungsabläufe erlernen und üben, die diesen Beschwerden entgegenwirken.

Mit Hilfe der Ergo- und Physiotherapie können Sie Feinmotorik bzw. Koordination üben und die Abläufe feiner Finger- und Handbewegungen verbessern, die im Alltag so wichtig sind. Die speziellen Therapien werden nach den persönlichen Bedürfnissen des Patienten und der Alltagstauglichkeit ausgewählt. Die ergotherapeutischen Übungen fördern auch geistige Fähigkeiten, so die Konzentration und Merkfähigkeit. Spezielle Bewegungsgeräte, insbesondere Laufbänder oder spezielle Fahrräder, sind hilfreich.

Diese Therapien in ihrer Gesamtheit helfen MS-Betroffenen, Mobilität und Selbstständigkeit solange wie möglich zu erhalten.

Behandlung des aktiven Schubes

Allgemein

Dazu gehört auch das Kortison. In einem akuten Schub bewirkt die Kortisongabe die Verkürzung dieses Schubs und somit die raschere Rückbildung der Sie beeinträchtigenden Symptome. Eine Dauertherapie mit Kortison ist aber nicht sinnvoll, da es auf den gesamten Verlauf der Erkrankung keinen Einfluss hat. Die Behandlung eines akuten Schubes erfolgt heute meist mit einer hoch dosierten Kortison-Puls-Therapie (= Stoß-Therapie). Es werden dabei z.B. 500 bis 1.000 mg eines Kortikoids (Methylprednisolon) täglich als Kurzinfusion intravenös, d.h. in die Vene über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen gegeben. Im Anschluss an diese intravenöse Gabe wird eine Therapie mit Kortisontabletten in abnehmender Dosierung empfohlen. Bei unzureichendem Ansprechen auf die Stoßtherapie kann diese in höherer Dosierung (2.000 mg) wiederholt werden. Bei erstmaliger Behandlung ist es sinnvoll, die Pulstherapie unter stationären Bedingungen, d.h. im Krankenhaus, durchführen zu lassen. Wenn die Therapie gut vertragen wird, kann sie bei späterer Notwendigkeit
auch ambulant erfolgen.

Der Nutzen des Kortisons ergibt sich vor allem aus folgenden pharmakologischen Wirkungen:

  • Abdichtung der Blut-Hirn-Schranke
  • Verminderung der entzündlichen Flüssigkeitsansammlungen
    (Ödeme) um die akut aufgetretenen entzündlichen Plaques – Verminderung
    der entzündungsfördernden Botenstoffe
  • Hemmung der autoaggressiven weißen Blutzellen
  • Vorzeitiger Zelltod der autoaggressiven Lymphozyten

Viele Patienten haben starke Bedenken und zögern damit, sich einer Kortisonbehandlung zu unterziehen, da sie von möglichen gefährlichen und unangenehmen Nebenwirkungen des Kortisons gehört haben. Daher ist es wichtig zu wissen, dass diese Nebenwirkungen (kontinuierliche Gewichtszunahme, Osteoporose, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck) in der Regel nur unter einer lang dauernden Behandlung mit Kortison auftreten. Aus diesem Grund sollte bei wiederholten Schüben die Puls-Therapie höchstens bis zu viermal im Jahr eingesetzt werden.

Kortison erhöht die Produktion der Magensäure. Um möglichen Magenbeschwerden vorzubeugen, sollten säurebindende oder säurehemmende Medikamente eingenommen werden. Eine leichte Gewichtszunahme beruht hauptsächlich auf einer vermehrten Wassereinlagerung, die sich jedoch nach Beendigung der Therapie schnell zurückbildet. Eine vorübergehende Erhöhung des Blutzuckerspiegels ist bei MS-Patienten, die nicht an der Zuckerkrankheit leiden, normalerweise harmlos. Entsprechend veranlagte Personen können in seltenen Fällen eine Akne (= Kortisonakne) bekommen. Kurzfristig können psychische Veränderungen auftreten, die von einer gehobenen Stimmungslage bis hin zu depressiven Verstimmungen reichen und die gelegentlich Schlafstörungen und innere Unruhe mit sich bringen. Sie bilden sich nach Beendigung der Schubtherapie wieder zurück. Das gilt auch für die häufig auftretende Gesichtsröte.

Die Kortisontherapie wirkt manchmal bereits während die Infusion noch verabreicht wird, sie kann aber auch noch bis zu drei Wochen nach Beendigung ihre Wirkung zeigen. In sehr seltenen Fällen ist der Schubverlauf so aggressiv, dass Kortison nicht ausreichend wirkt und eine Blutwäsche (= Plasmapherese) notwendig wird.

Langzeitbehandlung

Allgemeines zur Langzeitbehandlung

Ziel der Langzeitbehandlung bei MS ist es, eine dauerhafte Hemmung der Entzündungsaktivität im ZNS zu erreichen und damit vorbeugend in das Erkrankungsgeschehen einzugreifen. Durch die Behandlung soll die Zahl und Schwere von weiteren Schüben verringert und die langsame Behinderungszunahme aufgehalten werden. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, welche die Reaktion des Immunsystems verändern (Immunmodulatoren) oder unterdrücken können (Immunsuppressiva).

Sofern es keine Gegenanzeigen dafür gibt, wird Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose heute eine Langzeittherapie mit den Immunmodulatoren Interferon beta oder Glatirameracetat empfohlen. Verschiedene Studien haben den Nachweis erbracht, dass diese Medikamente die Häufigkeit der Schübe und deren Schwere deutlich vermindern können.

Ein anderer Ansatz ist die Immunsuppression. Diese kommt zum Einsatz, wenn sich die MS trotz immunmodulatorischer Therapie sehr stark verschlechtert oder diese ohne vorausgegangene Therapie eine sehr hohe Erkrankungsaktivität zeigt. Zur Verfügung stehen gegenwärtig das speziell bei schubförmiger MS zugelassene selektive Immunsuppressivum Natalizumab und relativ unspezifisch wirkende Substanzen, die zum Teil auch in der Krebs-Chemotherapie eingesetzt werden.

Bei Natalizumab handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der die Passage aktivierter Lymphozyten (Immunzellen, die für die Entzündungsreaktion bei MS verantwortlich sind) durch die Blut-Hirnschranke unterdrückt. Das Medikament zeichnet sich durch eine sehr gute Wirksamkeit gemessen an der Verringerung der Schubrate und der Verlangsamung der Behinderungsprogression aus.

Als weniger selektiv wirkende Imunsuppressiva kommen vorwiegend die Substanzen Azathioprin, Mitoxanthron, gelegentlich auch Cyclophosphamid oder Methotrexat zum Einsatz.

Langzeitbehandlung

Alemtuzumab (Lemtrada®)

Alemtuzumab ist ein monoklonaler Antikörper und ist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder bildgebende Verfahren, zugelassen.

Die Behandlung erfolgt in zwei Phasen. Im ersten Behandlungsjahr werden 12 mg Alemtuzumab pro Tag an fünf aufeinander folgenden Tagen verabreicht. Im zweiten Behandlungsjahr erfolgt die Gabe von 12 mg an nur noch drei aufeinander folgenden Tagen. Die Gabe erfolgt als intravenöse Infusion.

Alemtuzumab bindet an ein Antigen, das in erster Linie auf der Oberfläche der T-Lymphozyten und B-Lymphoyten vorkommt. Dadurch wird die Anzahl dieser Zellen verringert, bzw. deren Eigenschaften verändert. T- und B-Lymphozyten sind beim Krankheitsbild der Multiplen Sklerose maßgeblich an der Zerstörung der Myelinscheide beteiligt.

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass die Schubrate und damit ein Fortschreiten der Erkrankung, sowohl im Vergleich zur Behandlung mit Interferon beta-1a (Rückgang um 48-61%), als auch mit Steroiden (Rückgang um 56-58%) signifikant gesenkt werden konnte.

Da bei der Zerstörung der Lymphozyten Entzündungsstoffe freigesetzt werden, wird empfohlen an den ersten drei Tagen eines Behandlungszyklus eine Vorbehandlung mit einem Kortikosteroid durchzuführen. Zudem ist aufgrund der langen Wirkdauer von Lemtrada® eine Nachbeobachtung von bis zu 48 Monaten notwendig. Zudem sollte eine orale Prophylaxe gegen Herpes-Infektionen durchgeführt werden.

Nicht geeignet ist die Behandlung bei Patienten mit vorliegender HIV-Infektion, sowie während einer Schwangerschaft oder Stillzeit.

Da das Arzneimittel Einfluss auf das Immunsystem nimmt, sollte Lemtrada® bei Vorliegen anderer Autoimmunerkrankungen als Multipler Sklerose mit Vorsicht angewendet werden.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Infektionen der oberen Atemwege, sowie Harnwegsinfektionen, Kopfschmerz, Hitzegefühl, Übelkeit, Hautausschlag, Ermüdung und Fieber, sowie Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, der Thrombozyten (Idiopathische thrombozytopenische Purpura) und der Niere.

Quellen: Fachinformation Lemtrada®, Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Aubagio

Am 02.09.2013 hat die EU-Kommission die Marktzulassung für Aubagio® (Teriflunomid) erteilt. Seit Oktober 2013 ist das Medikament für MS-Patienten in Deutschland in den Apotheken erhältlich.

Aubagio® ist zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose zugelassen. Der Immunmodulator mit entzündungshemmenden Eigenschaften wird einmal täglich oral als Tablette eingenommen in einer Dosierung von 14 mg (1 Tablette). Die klinische Wirksamkeit ist vergleichbar mit der einer Interferon- Basistherapie.

In den zwei Zulassungsstudien mit jeweils über 1000 Probanden (Tower Studie und TEMSO Studie) konnte gezeigt werden, dass das Arzneimittel die jährliche Schubrate senkt und signifikant ein Fortschreiten der Behinderung hemmt.

Teriflunomid ist der aktive Metabolit des Wirkstoffs Leflunomid, der seit Jahren zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und Psoriasis-Arthritis eingesetzt wird; somit ist das Sicherheitsprofil von Teriflunomid gut bekannt.

Als häufigste Nebenwirkungen, über die unter einer Therapie mit Teriflunomid berichtet wurde, sind Durchfall, Übelkeit und Haarausdünnung sowie eine Erhöhung der Leberwerte benannt.

Quellen: DAZ, Fachinformation Aubagio®

Gilenya

Mit Gilenya® Hartkapseln (Wirkstoff Fingolimod) kam im April 2011 das erstes oral verfügbare Medikament für MS-Patienten auf den deutschen Markt, ein selektives Immunsuppressivum mit einem neuartigen Wirkmechanismus.

Fingolimod, welches die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, ähnelt dem natürlich vorkommenden Botenstoff Sphingosin-1-Phosphat (S1P), der an SP1-Rezeptoren bindet. Diese Rezeptoren befinden sich unter anderem auf Lymphozyten. Durch die Bindung von Fingolimid an die Rezeptoren, werden diese für ihren natürlichen Bindungspartner S1P blockiert.

Aufgrund dessen wird die Wanderung von pathogenen Lymphozyten aus den Lymphknoten in das ZNS reduziert. Lymphozytenvermittelte Entzündungsprozesse und eine Zerstörung des Nervengewebes können somit unterbunden werden. Bei kontinuierlicher Einnahme sind nach zwei Wochen nur noch 30% der Lymphozyten des Ausgangswertes nachweisbar. Die verringerte Anzahl der Lymphozyten bleibt bei regelmäßiger Einnahme erhalten. Lymphozyten, die für die Immunabwehr zuständig sind, werden nicht beeinträchtigt.

Die Kapseln sind zugelassen zur Monotherapie für Erwachsene mit hoch aktiver, schubförmig-remittierend verlaufender MS, die trotz Behandlung mit einem Beta-Interferon eine hohe Krankheitsaktivität haben oder bei denen die Erkrankung rasch fortschreitet und schwer verläuft.

Patienten können direkt von beta-Interferon oder Glatirameracetat auf GILENYA® umgestellt werden, sofern sie keine Anzeichen relevanter, therapiebedingter Nebenwirkungen, wie z. B. Neutropenie, zeigen. Bei einer Umstellung von Natalizumab wird eine Auswaschphase von 2 bis 3 Monaten empfohlen.

Die tägliche Einnahme einer Kapsel erfolgt unabhängig von der Nahrung. Da Fingolimod vorwiegend über die Leber ausgeschieden wird, muss die Dosis bei Nierenfunktionsstörungen nicht angepasst werden. Bei schwerer Leberinsuffizienz darf das Medikament nicht gegeben werden.

Gilenya® wurde in zwei großen Studien (FREEDOMS- und TRANSFORM-Studie) gegen Placebo bzw. beta-Interferon geprüft. Zusammenfassend reduziert Gilenya® die jährliche Schubrate signifikant besser als Placebo und das Interferon. Auch die Progression der Behinderung nahm ab. Bei Studienende waren unter Fingolimod jeweils mehr Patienten krankheitsfrei als in der Vergleichsgruppe. Wie bei anderen hochwirksamen Medikamenten können auch bei Fingolimod Nebenwirkungen auftreten. Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen unter anderem Influenzavirus-Infektionen, Kopfschmerzen, Husten, Durchfall und Rückenschmerzen, als häufige Nebenwirkungen können z.B. Herpesvirus-Infektionen, Bronchitis, Sinusitis, Gastroenteritis, Schwindel, Migräne, verschwommenes Sehen, erhöhter Blutdruck oder Gewichtsverluste auftreten.

Glatirameracetat (GAT)

Ein weiteres Medikament zur Langzeittherapie ist unter dem Namen Copaxone ® im Handel. Dieses Arzneimittel enthält ein Eiweißgemisch aus den vier Aminosäuren Glutamin, Lysin, Alanin und Tyrosin, deren Anfangsbuchstaben sich auch in der Wirkstoffbezeichnung Glatirameracetat wiederfinden. Glatirameracetat ähnelt Bestandteilen der Myelinscheiden und bewirkt unter anderem die Bildung spezifischer Lymphzellen, die der Entzündungsaktivität bei MS entgegen wirken.

Auch für diese Behandlungsform, die zu den immunmodulatorischen Therapien gehört, konnte eine Senkung der Schubrate gezeigt werden. Glatirameracetat, das einmal pro Tag unter die Haut gespritzt werden muss, wird insgesamt relativ gut vertragen.

Mögliche Nebenwirkungen sind Hautreaktionen an der Einstichstelle, wie Rötungen und Schwellungen. An den Einstichstellen kann sich im Verlauf der Langzeittherapie auch das Unterhautfettgewebe zurückbilden. Außerdem kann es zu Lymphknotenschwellungen kommen.

Als eine weitere Nebenwirkung ist die so genannte subakute Postinjektion-Reaktion (SPIR) zu nennen, die vermutlich durch den Eintritt der Substanz in ein Blutgefäß entsteht. Die Reaktion tritt unmittelbar nach der Injektion auf und äußert sich in Herzrasen, Atemnot und Blutdruckabfall. Sie klingt in der Regel ohne besondere Maßnahmen innerhalb von 20 Minuten wieder ab.

In seltenen Fällen kann es nach der Injektion zu einer plötzlichen Rötung der gesamten Körperhaut und zum Anschwellen der Lider kommen. Tritt diese allergische Überempfindlichkeitsreaktion wiederholt auf, ist die Therapie zu beenden.

Interferone

Seit einigen Jahren ist die immunmodulatorische Stufentherapie bei der MS weitgehend in konkreten Therapieempfehlungen (MSTKG Richtlinien, MSTKG = Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe) festgeschrieben (Tabelle 1). Dies hat zu einer Verbesserung der Qualität bei der MS-Behandlung geführt.

Den Interferonen kommt in diesen Richtlinien inzwischen der Platz der Standardtherapie zu.

Interferone sind Botenstoffe unseres Immunsystems, die über verschiedene Mechanismen modulierend auf die bei der MS bedeutsamen Immunreaktionen wirken. Mit der Interferontherapie lassen sich eine Verringerung der Schubrate und eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs bzw. körperlicher Einschränkungen erreichen.

Interferone sind Proteine, die bei Entzündungen vom Körper freigesetzt werden und Entzündungsreaktionen entweder hemmen oder stimulieren. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: Es gibt alpha-, beta- und gamma-Interferone mit jeweils spezifischer Wirkung.

Interferon beta ist am besten geeignet, die bei MS auftretende Entzündungsreaktion zu hemmen. Durch den therapeutischen Einsatz von Interferon beta (Interferon ß) werden Angriffe des Immunsystems auf das körpereigene Gewebe abgeschwächt. Man unterscheidet zwei Typen: Interferon beta-1a und Interferon beta-1b (Tabelle 2). Beide verringern die Wahrscheinlichkeit eines MS-Schubs um ca. 30%. Im Durchschnitt sind die Schübe schwächer und die Zahl der – mit Kernspintomographie (MRT) feststellbaren – Läsionen der weißen Substanz verringert sich.

Bei Untersuchungen mit Interferon beta-1a konnte zudem als günstige Wirkung eine Verlangsamung der Behinderungsprogression nachgewiesen werden. Alle Interferon beta-Präparate müssen mittels Injektion verabreicht werden, einige mehrmals wöchentlich unter die Haut (subkutan, s.c.) oder einmal wöchentlich in den Muskel (intramuskulär, i.m.).

Die Injektionen können in Absprache mit dem behandelnden Arzt und nach entsprechender Anleitung vom MS-Betroffenen selbst oder von einer Person seines/ihres Vertrauens verabreicht werden.

Die von Interferon-beta Präparaten hervorgerufenen Nebenwirkungen lassen sich unterteilen in jene, die örtlich, also an der Einstichstelle der Injektion auftreten können und sonstige Nebenwirkungen.

Hautreaktionen wie Rötung und/oder Schwellung an der Einstichstelle sind möglich. Bei intramuskulären Injektionen gibt es selten lokale Nebenwirkungen.

Zu den sonstigen Nebenwirkungen von Interferonen gehören Symptome wie Schüttelfrost, Fieber, Muskel- oder Gelenkschmerzen, vergleichbar dem Befinden, wenn man eine Grippe bekommt. Sie treten üblicherweise wenige Stunden nach der Injektion in den ersten Wochen und Monaten nach Beginn der Behandlung auf. Der behandelnde Arzt kann die Einnahme fiebersenkender Mittel empfehlen. Die Einnahme von Paracetamol oder eines ähnlichen Medikaments (z.B. Ibuprofen) kann die grippeähnlichen Symptome unterdrücken. Bewährt hat sich das Einnahmeschema 4 Stunden vor, mit und 4 Stunden nach der Injektion.

Empfohlen wird die Injektion von Interferon am Abend, um mögliche Grippesymptome am Tage zu vermeiden.

Mavenclad

Bereits seit 1997 wird der Wirkstoff Cladribin intravenös zur Behandlung der Haarzellleukämie eingesetzt. Im August 2017 wurde nun die Zulassung für das Präparat Mavenclad® erteilt, das in oraler Form zur Behandlung der hochaktiven schubförmigen Multiplen Sklerose angewendet wird.

Cladribin ist ein Nukleosid-Analogon des Desoxyadenosins und ein sogenanntes Prodrug, das erst in Körperzellen, bevorzugt in Lymphozyten, in seine aktive Wirkform umgesetzt wird. Der aktive Metabolit wird als fremder Baustein in die DNA eingebaut, die Zellteilung wird unterbrochen und es kommt zum Zelltod. Der Mechanismus, durch den Cladribin seine therapeutischen Wirkungen bei MS entfaltet, ist nicht vollständig geklärt, doch es wird vermutet, dass durch die vorwiegende Wirkung auf Lymphozyten die Kaskade von Immunereignissen, die eine zentrale Rolle bei MS spielen, unterbrochen wird.

Die Behandlung besteht aus zwei Phasen von jeweils 4 oder 5 Tagen in zwei aufeinander folgenden Jahren. An diesen Tagen wird einmal täglich eine vom Körpergewicht abhängige Dosis Mavenclad® eingenommen. Vor diesen beiden Einnahmephasen und jeweils 2 und 6 Monate danach muss die Lymphozytenzahl bestimmt werden, da Cladribin in direktem Zusammenhang mit einer Verringerung der Lymphozytenzahl steht. Bei akuten Infektionen sollte daher auch nicht mit der Einnahme von Mavenclad® begonnen werden. Außerdem ist zu beachten, dass während der Therapie und mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode angewandt wird, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

In zwei Studien (CLARITY- und ONWARD-Studie) wurde an über 1300 Patienten die Wirksamkeit und Sicherheit von Mavenclad® sowohl als Einzeltherapie als auch in Kombination mit Interferon beta über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren beurteilt. Im Vergleich zu Placebo zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen bezüglich der Verringerung der Schubrate, Verlangsamung der Behinderungsprogression und Verringerung der gemessenen aktiven Läsionen im MRT.

Die klinisch relevantesten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Mavenclad® sind eine starke Verringerung der Lyphozytenzahl (Lymphopenie) und Herpes Zoster-Infektionen. Außerdem können Hautausschläge und Haarausfall auftreten. Bei der langfristigen Nachbeobachtung von Patienten wurden häufiger maligne Erkrankungen als unter Placebo festgestellt.

Quellen: Fachinformation Mavenclad®, PZ, DAZ, Apotheke Adhoc, Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Natalizumab

Seit Juni 2006 steht mit Natalizumab (Handelsname Tysabri®) ein weiteres Medikament in der MS-Behandlung zur Verfügung. Natalizumab ist ein so genannter humanisierter monoklonaler Antikörper, eine gentechnisch gewonnene Substanz, die sich selektiv an aktivierte Lymphozyten anheftet und deren Passage durch die Blut-Hirnschranke hemmt. Wie bereits beschrieben, spielen Defekte der Blut-Hirnschranke und das Eindringen von Immunzellen, insbesondere von Lymphozyten, in das ZNS eine zentrale Rolle beim Krankheitsgeschehen der MS. Natalizumab senkt nachweislich die Erkrankungsaktivität, was sich klinisch in einer um etwa zwei Drittel verringerten Zahl der Schübe und einer Halbierung der Behinderungsprogression nach 2-jähriger Behandlungsdauer widerspiegelt. Nach aktueller Datenlage ist das Medikament nur für erwachsene Patienten mit schubförmig-remittierender MS zugelassen, die nicht auf einen vollständigen und angemessenen Zyklus einer Interferon beta-Therapie angesprochen haben oder die an einer rasch fortschreitenden Erkrankung mit Behinderungsprogression leiden.

Da es im Vorfeld der europäischen Natalizumab-Zulassung in Einzelfällen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen war, muss die Anwendung des Medikamentes durch einen erfahrenen Spezialisten (Facharzt) in Zentren mit raschem Zugang zur MRT erfolgen. Bei der schwerwiegenden Nebenwirkung handelte es sich um eine seltene Erkrankung des Gehirns (Progressive Multifokale Leukenzephalopathie, PML), die durch das JC-Virus, einem Polyoma-Virus, ausgelöst wird. Die Erkrankung kann sich bei Patienten, die das Virus in sich tragen, beim Vorliegen einer schweren Störung des Immunsystems entwickeln. Eine Analyse der PML-Fälle ergab, dass das Immunsystem der betroffenen Patienten stark geschwächt war, z.B. weil diese mit weiteren immunsuppressiven Medikamenten therapiert wurden. Aus diesem Grund wurde bei der Zulassung für Natalizumab entschieden, dass das Medikament nicht mit anderen Immunsuppressiva oder Immunmodulatoren kombiniert werden darf. Außerdem dürfen beim Patienten keine Anhaltspunkte für ein geschwächtes Immunsystem vorliegen.

Zu den sonstigen Nebenwirkungen von Natalizumab zählen Harnwegsinfektionen, Entzündungen des Nasen-Rachen-Raums, Nesselsucht, Kopfschmerzen, Schwindel und Magen-Darm-Beschwerden. Auch über allergische Reaktionen unterschiedlicher Schweregrade wurde im Zusammenhang mit der Natalizumab Therapie berichtet. Natalizumab wird einmal alle vier Wochen ambulant als einstündige intravenöse Infusion verabreicht.

Plegridy

Seit September 2014 ist Plegridy® (Wirkstoff: Peginterferon-β-1a) zur Behandlung von Erwachsenen mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose auf dem Markt. Plegridy® ist sowohl als Fertigpen, als auch als Fertigspritze mit 63µg, 94µg und 125µg Injektionslösung erhältlich. Der Wirkstoff verbleibt sehr lange im Körper, so dass nur alle zwei Wochen eine Injektion notwendig ist.

Der genaue Wirkmechanismus von Peginterferon-β-1a ist nicht bekannt. In einer klinischen Studie mit mehr als 1500 Teilnehmern reduzierte Plegridy® die jährliche Schubrate (ARR) um 36 Prozent im Vergleich zu Placebo. Zudem konnte das Risiko der fortschreitenden Behinderung nachhaltig reduziert werden, nach zwölf Wochen um 38 Prozent und nach 24 Wochen um 54 Prozent. Die Anzahl der Läsionen wurde signifikant um 86 Prozent im Vergleich zu Placebo verringert. Laut Biogen bestätigten Studien die Wirksamkeit auch über den Placebo-kontrollierten Zeitraum von einem Jahr hinaus. Zur Wirksamkeit von Peginterferon-β-1a gegenüber anderen Interferon-β-haltigen Arzneimitteln liegen keine Studien vor. Bei Plegridy ® handelt es sich um eine Injektionslösung, die alle zwei Wochen injiziert werden muss. Die Behandlung beginnt mit 63µg, nach zwei Wochen wird die Dosis auf 94µg gesteigert. (Für diese beiden Gaben bietet der Markt eine Starterpackung an.) Ab der dritten Gabe werden 125µg verabreicht. Die langsame Steigerung der Dosis soll das Auftreten von grippeähnlichen Symptomen, die zu Beginn der Therpaie auftreten können, mindern. Die Injektion erfolgt üblicherweise als subcutane Gabe in Bauch, Arm oder Oberschenkel. Ein geübter Patient kann die Applikation selbst durchführen.

In der Verträglichkeit sei das Peginterferon Beta-1a vergleichbar mit bewährten MS-Interferon-Therapien. Mögliche Nebenwirkungen, die unter einer Therapie mit Plegridy ® auftreten können, sind neben Rötungen, sowie Juckreiz an der Einstichstelle vor allem grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Schüttelfrost und Schwächegefühl.

Die Therapie mit Plegridy ® darf bei Schwangeren und Patienten, die aktuell an einer schweren Depression leiden, nicht durchgeführt werden.

Quellen: PZ, Fachinformation Plegridy ® , EMA, Apotheke Adhoc

Tecfidera

Seit März 2014 ist mit Tecfidera® (Wirkstoff: Dimethylfumarat, Abkürzung: DMF) das dritte orale Basistherapeutikum für Erwachsene mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose auf dem Markt.

Der genaue Wirkmechanismus von DMF bei Multipler Sklerose ist nicht eindeutig bekannt. In Studien konnten entzündungshemmende und immunmodulatorische Eigenschaften gezeigt werden.

In den zulassungsrelevanten Studien hatten 1234 Patienten entweder Placebo oder zwei bis dreimal täglich 240 Milligramm Tecfidera® erhalten. 46 Prozent der mit Placebo-behandelten Patienten erlitten einen Krankheitsschub. In der Verumgruppe waren es nach zweimaliger Einnahme 27 Prozent und nach dreimaliger Einnahme 26 Prozent.

Bei Tecfidera® handelt es sich um magensaftresistente Kapseln in den Dosierungen 120mg und 240mg. Zu Beginn der Therapie nehmen die Patienten zweimal täglich eine Kapsel mit 120mg DMF ein. Hierbei empfiehlt sich die Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit, um die Verträglichkeit zu verbessern. Nach 7 Tagen wird die Dosis auf zweimal täglich 240mg gesteigert.

Mögliche Nebenwirkungen, die unter einer Therapie mit Tecfidera® auftreten können, sind v.a. Hitzegefühle und gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Oberbauchbeschwerden. Diese Nebenwirkungen treten häufig im ersten Behandlungsmonat und danach periodisch auf.

Da das Medikament die Lymphozytenzahl vermindern kann muss vor Behandlungsbeginn ein großes Blutbild aus den letzten sechs Monaten vorliegen. Sechs Monate nach Behandlungsbeginn sollte dieses neu geprüft werden, danach empfiehlt sich ein Abstand von sechs bis zwölf Monaten. Eine Überprüfung der Leber- und Nierenfunktion wird ebenfalls vor Behandlungsbeginn empfohlen, da unter der Behandlung mit Tecfidera® Veränderungen dieser Werte beobachtet wurden.

Die Empfehlung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft lautet: „Patienten, die gut auf eine parenterale Immunmodulation eingestellt sind, ist ein Wechsel auf Tecfidera® nicht zu empfehlen.“ Dem Vorteil der oralen Anwendung stehen hier die Nebenwirkungen wie Hitzegefühle und gastrointestinale Beschwerden entgegen.

Quellen: DAZ, PZ, Fachinformation Tecfidera® , EMA, AkdÄ, Apotheke Adhoc

Zinbryta

Im Juli 2016 wurde Zinbryta® (Daclizumab) zur Therapie der schubförmigen Multiplen Sklerose (RMS) zugelassen. Angewendet werden kann es bei hochaktiven Erkrankungen oder rasch fortschreitenden, schweren schubförmigen Krankheitsverläufen.

Bei Daclizumab handelt es sich um einen humanisierten monoklonalen Antikörper, der spezifisch an eine Untereinheit (CD25) des hochaffinen Interleukin-2-Rezeptors bindet und somit die Bindung von Interleukin-2 (IL-2) an diesen verhindert. Dadurch werden einerseits CD25-abhängige, entzündungsfördernde Signale blockiert und zusätzlich steht vermehrt freies IL-2 unter anderem den natürlichen Killerzellen (NK) zur Verfügung, die nachweislich aktivierte T-Zellen reduzieren und somit eine Rolle bei der Hemmung der Krankheitsaktivität spielen. Daclizumab reduziert auf diese Weise die Anzahl der Schübe und die zerebralen Läsionen.

Zinbryta® 150mg wird einmal pro Monat subcutan in Oberschenkel, Bauch oder Oberarmrückseite injiziert. Es ist als Injektionslösung in Fertigspritzen und Fertigpens im Handel. Da unter der Anwendung von Zinbryta® schwerwiegende Leberschädigungen aufgetreten sind, sollten vor Beginn der Therapie und einmal monatlich während der Behandlung die Serum-Transaminase- (ALT und AST) und Bilirubin-Werte bestimmt werden. Bei Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung oder –funktionsstörung ist das Präparat kontraindiziert.

Die Wirksamkeit von Zinbryta® wurde in zwei Studien (SELECT- und DECIDE-Studie) gegen Placebo bzw. Interferon beta-1a (intramuskulär) an Patienten mit RMS nachgewiesen. Zusammenfassend reduzierte die Behandlung mit Zinbryta® signifikant die jährliche Schubrate und das Schubrisiko. Darüber hinaus gab es statistisch signifikante Effekte auf die Behinderungsprogression. Im Vergleich zu Interferon beta-1a zeigte Zinbryta® außerdem eine statistisch signifikante Reduktion sowohl der T1- und T2-Läsionen, als auch der Verschlechterung der Patienten-berichteten physischen Beeinträchtigung.

Zu den häufigen Nebenwirkungen bei der Anwendung von Zinbryta® gehören die bereits erwähnten Veränderungen der Leberwerte bzw. die mögliche Leberschädigung. Außerdem vorübergehende Hautreaktionen (u.a. Ausschläge, Ekzeme), eine aus der Immunsuppression resultierende erhöhte Infektanfälligkeit (v.a. Infekte der oberen Atemwege), gastrointestinale Störungen (Diarrhoe, Kolitis), Depressionen und reversible Anämie.

Quellen: Fachinformation Zinbryta®, DAZ, Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Azathioprin

Azathioprin (Imurek®) ist schon seit Jahrzehnten als Immunsuppressivum bekannt. Haupteinsatzgebiete für das Medikament sind die Krebstherapie, die Vorbeugung von Organabstoßungen nach Transplantationen und die Therapie verschiedener Autoimmunerkrankungen.

Bereits seit mehr als 30 Jahren wird Azathioprin als Medikament zur längerfristigen immunsuppressiven Behandlung der MS eingesetzt. Es hemmt das Wachstum der Zellen des Immunsystems, insbesondere das der Lymphozyten, aus dem Knochenmark stammender weißer Blutkörperchen, die auf Antigene, u.a. Viren, mit einer Immunantwort reagieren
können. Die Autoimmunreaktion bei MS wird vermindert, d.h. auch solche Immunreaktionen werden unterdrückt, die gegen das eigene Körpergewebe gerichtet sind, so auch gegen die Markscheiden. Azathioprin wird täglich in Tablettenform eingenommen. Die Wirkung auf das Immunsystem setzt erst einige Wochen nach Beginn der Therapie ein und dauert noch mehrere Wochen nach Beendigung an.

Azathioprin kommt zum Einsatz, wenn gegen eine Therapie mit Interferon beta oder Glatirameracetat Kontraindikationen vorliegen oder eine solche immunmodulatorische Behandlung keine ausreichende Wirkung zeigt oder aus anderen Gründen bei Patienten eine derartige Injektionstherapie nicht in Frage kommt.

Unter der Behandlung kommt es zu einer Verminderung der Lymphozytenzahl im Blut, die im Hinblick auf die Rolle der autoaggressiven Lymphozyten bei der MS deutlich erwünscht ist. Damit ein zu starker Abfall der Blutzellen nicht übersehen wird, muss zu Beginn der Therapie eine wöchentliche Kontrolle des Blutbildes erfolgen, danach reicht in der Regel eine monatliche Blutbildkontrolle.

Nebenwirkungen sind vor allem das durch die Immunsuppression bedingte gesteigerte Infektionsrisiko, außerdem Magen-Darm-Beschwerden und Veränderungen der Leberwerte, die ebenfalls häufig überprüft werden müssen.

Wegen der hemmenden Wirkung auf das Zellwachstum ist die Einnahme von Azathioprin wie im Übrigen auch von allen anderen Immunsuppressiva bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft kontraindiziert. Während der Therapie ist eine sichere Empfängnisverhütungsmethode erforderlich.

Ciclosporin

Das Immunsuppressivum Ciclosporin A (Handelsname Sandimmun®) hat sich in der Transplantationsmedizin bei der Verhinderung oder Abmilderung von Abstoßungsreaktionen bewährt.

Zur Langzeitbehandlung der MS hat sich Ciclosporin A auch wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen, wie z.B. Nierenschädigungen und arteriellem Bluthochdruck, nicht durchgesetzt.

Cyclophosphamid

Cyclophosphamid (Handelsname z.B. Endoxan®) ist ein Medikament, das den Zellstoffwechsel und die Zellvermehrung sehr stark hemmt und aus diesem Grund seit langem für die Krebsbehandlung genutzt wird. Da es auch das Wachstum und die Vermehrung der Zellen des Immunsystems hemmt, kam es als erstes immunsuppressives Medikament in der Therapie der MS zum Einsatz.

Eine Zulassung für Cyclophosphamid in der MS-Behandlung liegt nicht vor und ist auch in Zukunft nicht zu erwarten. Dennoch hat man in kleineren Studien bei Patienten mit chronisch-progredientem MS-Verlauf teilweise ein Aufhalten der Verschlechterung, manchmal sogar eine Verbesserung unter der Cyclophosphamid-Behandlung beobachten können. Cyclophosphamid wird in regelmäßigen Abständen unter stationären Bedingungen als Infusion gegeben.

Insgesamt ist es gegenüber Mitoxantron und Azathioprin deutlich schlechter verträglich.

Heute kommt Cyclophosphamid nur dann in der Eskalationstherapie der MS zur Anwendung, wenn mit Natalizumab oder Mitoxantron keine Stabilisierung des Erkrankungsverlaufs erreicht werden kann, oder wenn Gegenanzeigen den Einsatz verhindern.

Da es schwere Nebenwirkungen, wie z.B. Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Blasenentzündung, Blutbildveränderungen, erhöhte Infektanfälligkeit sowie ein gesteigertes Risiko für bösartige Tumoren insbesondere im Harnwegsbereich und eine Schädigung des ungeborenen Kindes verursachen kann, sollte Cyclophosphamid nur in speziellen MSZentren angewendet werden.

Intravenöse Immunglobuline

Immunglobuline (Ig) sind körpereigene Eiweiße im Blutplasma. Sie sind als Antikörper an den Immunreaktionen des Körpers beteiligt. So können sie körperfremde Antigene erkennen und abwehren, indem Sie diese in Form so genannter Antigen-Antikörper-Komplexe binden und neutralisieren. Dem Körper zusätzlich als intravenöse Infusion zugeführte Immunglobuline (IVIg) kommen schon seit vielen Jahren bei zahlreichen Erkrankungen zum Einsatz, bei denen Veränderungen des Immunsystems eine Rolle spielen. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus dem Plasma von 2000 bis 5000 Spendern.

Immunglobuline sind nur dann anzuwenden, wenn Interferon beta und Glatirameracetat nicht eingesetzt werden können. Haupteinsatzgebiet sind nach den aktuellen Empfehlungen Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit bei Patientinnen mit schubförmig verlaufender MS.

Es gibt mittlerweile Studien, die nachweisen konnten, dass die regelmäßige Infusion von Immunglobulinen bei schubförmigem MS-Verlauf Vorteile mit häufigeren Besserungen und stabilen Verläufen sowie selteneren Verschlechterungen brachte. Keinen Wirksamkeitsnachweis gibt es bisher für chronisch-progrediente Verläufe der Krankheit. Auch weiß man noch nicht, ob eine Langzeittherapie mit Immunglobulinen eine MS dauerhaft beeinflussen kann.

Die Behandlung mit Immunglobulinen ist im Allgemeinen gut verträglich. Nur selten kommt es zu Nebenwirkungen. Allerdings kann die Gabe eines Fremdeiweißes gelegentlich allergische Reaktionen mit Hautausschlag, Fieber und Muskelschmerzen verursachen und in seltenen Fällen können sich Blutgerinnsel bilden. Außerdem gibt es trotz der sich ständig verbessernden Überwachungsmethoden ein sehr geringes Restrisiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten (z.B. durch HIV oder Hepatitis C Viren).

Methotrexat

Methotrexat (Handelsname z.B. Lantarel®) wird schon seit vielen Jahren zur Therapie von Krebs oder rheumatischen Leiden genutzt. Die in einer Studie festgestellten positiven Wirkungen auf bestimmte Funktionsstörungen bei MS-Patienten konnten im klinischen Alltag nicht bestätigt werden. Daher setzt man diese Substanz heute nur noch in Einzelfällen ein, wenn andere Immuntherapeutika nicht gegeben werden können.

Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, manchmal Haarausfall und in seltenen Fällen Blutbildveränderungen oder Leberwerterhöhungen. Daher sind regelmäßige Laborkontrollen erforderlich.

Mitoxantron

Dieses Medikament wird auch schon seit langem in der Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt und wurde unter dem Handelsnamen Ralenova® zur Therapie der schubförmigen progredienten und sekundär progredienten MS zugelassen. In Fällen, in denen auch unabhängig von Schüben ein Fortschreiten der Krankheit festzustellen ist, spricht man von einem sekundär progredienten Verlauf.

Auch bei fortgeschrittener MS kann Mitoxantron noch eine günstige Wirkung auf die Schubrate und die Zunahme der Behinderung haben. Deshalb nutzt man es bei der Behandlung ungünstiger Verlaufsformen als Mittel zur sogenannten Eskalationstherapie.

Mitoxantron wird in der Regel alle drei Monate mittels Infusion in die Armvene gegeben. Allerdings ist die Gesamtmenge, die zur MSTherapie eingesetzt werden darf, begrenzt. Die Gesamtdosis von 140 mg/m² Körperoberfläche sollte nicht überschritten werden. Üblicherweise reicht das für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren aus. Bei Überschreitung dieser Gesamtdosis können Schädigungen am Herzen auftreten, und zwar neben Rhythmusstörungen auch Herzmuskelveränderungen und Herzinsuffizienz. Während der Therapie muss eine Überwachung mittels Echokardiographie erfolgen.

Übelkeit zählt zu den häufigsten Nebenwirkungen. Dagegen hilft die Einnahme von Medikamenten gegen Brechreiz vor der Gabe der Infusion. Weitaus seltener, dafür aber gefährlicher sind Veränderungen des Blutbildes, die regelmäßige Laborkontrollen notwendig machen sowie das gehäufte Auftreten von bösartigen Tumoren und die Schädigung des ungeborenen Kindes.

Zudem können sich während der Behandlung der Urin grün und die Nägel sowie die Lederhaut des Auges bläulich verfärben, selten kommt es außerdem zu Müdigkeit, Haarausfall, Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber.

Vor Beginn der Therapie mit Mitoxantron muss eine Herzkrankheit ausgeschlossen werden. Dies geschieht mit Hilfe eines Elektrokardiogramms (EKGs) und einer Ultraschalluntersuchung des Herzens. Auch schwere Infektionskrankheiten oder eine Unverträglichkeit gegenüber dem Wirkstoff würden einer Therapie entgegenstehen. Während der Behandlung und auch noch sechs Wochen danach muss für eine sichere Empfängnisverhütung gesorgt werden.

Es wird empfohlen, eine Behandlung mit Mitoxantron immer in einem MS-Zentrum durchführen zu lassen.

Die symptomatische Therapie

Allgemein zur symptomatischen Therapie

Die symptomatische Therapie ist ein wichtiger Punkt im Gesamtbehandlungskonzept der Multiplen Sklerose mit dem Ziel der Beseitigung oder doch zumindest Linderung von Krankheitssymptomen, welche die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Die immunologische Basistherapie der Multiplen Sklerose, also die Langzeitbehandlung zur Reduktion der Schubhäufigkeit und zur Verlangsamung des Fortschreitens, verbessert in der Regel nicht das Ausmaß der bestehenden Behinderung. Selbst bei leichten und ohne Behinderung verlaufenden MS-Fällen können verschiedene Symptome (Begleiterscheinungen) bestehen, die oft als sehr belastend empfunden werden. Manche dieser Beeinträchtigungen lassen sich mit Medikamenten behandeln. Der Verlauf der Multiplen Sklerose ist durch eine Behandlung der Symptome nicht zu beeinflussen. Im Folgenden wird beschrieben, welche Medikamente zur begleitenden Behandlung einzelner Störungen zur Verfügung stehen.

Allerdings ist anzumerken, dass für die meisten Medikamente, die in der Symptombehandlung der MS eingesetzt werden, keine Zulassung im arzneirechtlichen Sinn besteht, was die Anwendung dieser Medikamente in zunehmendem Maße erschwert.

Die symptomatische Therapie ist bei allen Verlaufsformen der MS gleich.

Müdigkeit

Müdigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit, in der Fachsprache Fatigue genannt, kann man als überwältigendes Gefühl von Erschöpfung und Energiemangel beschreiben, und zwar weit über das hinausgehend, was im Zusammenhang mit einer bestimmten Aktivität normalerweise zu erwarten ist. Diese besondere Form der Müdigkeit gilt als häufigstes und am stärksten beeinträchtigendes Symptom der MS. Sie betrifft im Verlauf der Erkrankung etwa 75% der Patienten. Man muss diese Art der Müdigkeit von einer Depression unterscheiden, auch wenn beide gleichzeitigvorkommen und sich gegenseitig verstärken können. Auch praktische Gesichtspunkte wie ein gestörter Schlaf aufgrund schmerzhafter Spasmen oder nächtlichen Wasserlassens sind zu bedenken. Man hat versucht, verschiedene Arten von Müdigkeit bei der MS zu unterscheiden, so z.B. Müdigkeit nach körperlicher Aktivität, im Zusammenhang mit einem klinischen Schub und chronische Müdigkeit.

Neben einer Anpassung der körperlichen Belastung und ausreichend Schlaf und Ruhepausen als Mittel gegen die belastende Müdigkeit sind auch beim Einsatz einiger Medikamente günstige Wirkungen festgestellt worden. Es handelt sich um folgende Arzneimittel, die für einen Therapieversuch im Kampf gegen MS-bedingte Fatigue in Frage kommen.

Amantadin
Amantadin (PK-Merz®) ist die bis jetzt am besten untersuchte Substanz zur Therapie der Fatigue. Das bei der Parkinsonkrankheit und bei Viruserkrankungen eingesetzte Medikament scheint eine Steigerung des Wachheitsgrades zu bewirken. In mehreren Studien konnten Verbesserungen der subjektiven Ermüdbarkeit nachgewiesen werden. Ein medikamentöser Behandlungsversuch sollte mit Amantadin beginnen.

Amantadin ist gut verträglich, so dass relativ unproblematisch 200-300 mg der Substanz pro Tag gegeben werden können.

Amantadin ist nebenwirkungsarm. Nur in seltenen Fällen treten als Nebenwirkungen Schlafstörungen, psychische Unruhe und optische Halluzinationen auf. Davon betroffen sind vor allem ältere Patienten sowie Parkinsonpatienten.

Modafinil
Für den Wirkstoff Modafinil (Vigil®) wurden in den letzten Jahren gute Effekte nachgewiesen. Es konnte eine Verbesserung der Fatigue-Symptomatik gezeigt werden, und das bei einer guten Verträglichkeit der Substanz.

Ursprünglich wurde Modafinil zur Behandlung der Narkolepsie entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der die Betroffenen tagsüber unkontrollierte Müdigkeits- und Schlafattacken haben.

Nichtmedikamentöse Therapieansätze
Es gibt nur wenige Studien zu nichtmedikamentösen Therapiekonzepten bei der Behandlung des Fatigue-Syndroms. In zwei Studien konnte allerdings gezeigt werden, dass eine regelmäßige sportliche Betätigung zu einer deutlichen Verringerung der Müdigkeit beitragen konnte. Hierbei ist aber zu beachten, dass die sportliche Betätigung nur soweit gehen darf, dass die Körpertemperatur nicht erhöht wird. Denn bei einer Steigerung der Körpertemperatur ist eine Verstärkung der Symptomatik zu erwarten.

Eine gute Planung und Organisation des Alltags, eine ausgeglichene Lebensführung mit genug Schlaf und regelmäßiger passender sportlicher Betätigung bieten den besten nichtmedikamentösen Therapieansatz.

Muskelsteifheit

Die Muskelsteifheit (Spastik) gehört zu den sehr häufigen Symptomen der MS. Durch den Befall des Rückenmarks kann eine erhöhte Muskelanspannung entstehen, die sich durch ein Gefühl der Steifheit und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten in den betroffenen Muskeln äußert. Häufig sind die Muskeln in den Beinen in Mitleidenschaft gezogen.

Dann kann das Gehen durch die Spastik erheblich beeinträchtigt werden. Diese Symptome können nach und nach stärker werden und auch Unterstützung beim Gehen erforderlich machen. Eine Folge der Spastik kann zudem ein erhöhter Energieverbrauch sein, der eine vorzeitige Ermüdung nach sich ziehen kann.

Die Spastik tritt fast immer in Kombination mit einer Muskelschwäche, einem Verlust der Muskelkraft, auf. Ist der Bewegungsablauf stärker durch die Spastik als durch die Muskelschwäche gestört, können antispastisch wirkende Medikamente den Bewegungsablauf verbessern.

Dabei gibt es folgende Ansatzpunkte zur Behandlung der Spastik:

  • zentral wirksame Mittel zur Muskelentspannung (z.B. Baclofen, Tizanidin)
  • an der Muskulatur angreifende Mittel zur Muskelentspannung (z.B.Dantrolen, Botulinumtoxin)
  • im zentralen Nervensystem ansetzende Medikamente mit in erster Linie beruhigender und zusätzlich muskelentspannender Wirkung (z.B. Tetrazepam, Diazepam)

Baclofen
Baclofen (Lioresal®) wird am häufigsten zur Behandlung der Spastik eingesetzt. Dieses Arzneimittel ist in der Regel auch am wirkungsvollsten. Die Dosis des Medikaments wird in wöchentlichen Schritten langsam gesteigert. Man spricht dann davon, dass die Dosierung der Baclofentherapie einschleichend erfolgt.

Bei ganz besonders stark ausgeprägter Spastik kann auch eine direkte Gabe in den Rückenmarkskanal über eine spezielle Pumpe erfolgen (Lioresal intrathecal®). Dieses Verfahren sollte insbesondere den Patienten vorbehalten sein, für die eine hochdosierte orale antispastische Behandlung nicht mehr ausreicht und die daher sehr gefährdet sind, schmerzhafte Gelenkversteifungen – sogenannte Kontrakturen – zu entwickeln. Die Wirksamkeit der Methode bei den Patienten mit anders nicht zu beeinflussender Spastik ist belegt. Baclofen wird in der Regel sehr gut vertragen. Als Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Verwirrung und ein Gefühl der vermehrten Muskelschwäche möglich.

Tizanidin
Tizanidin (Sirdalud®) kann ähnlich wie Baclofen zur Behandlung der Spastik gegeben werden. Die Dosierung erfolgt bei Tizanidin ebenfalls einschleichend. Typische Nebenwirkungen sind Benommenheit und Schwindel, eine Senkung des Blutdruckes sowie Magen-Darmbeschwerden und Mundtrockenheit.

Gabapentin
Gabapentin (Neurontin®) hat sich in Dosierungen von 1200 mg/Tag bzw. 2700 mg/Tag als wirksam in der Therapie MS-bedingter Spastiken erwiesen. Ein direkter Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit mit den etablierten Produkten Baclofen und Tizanidin liegt jedoch noch nicht vor. Auch wurde bislang keine Zulassung für die Indikation Spastik bei MS erteilt. Gabapentin ist im Allgemeinen gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Schwindel, Müdigkeit und Schwäche.

Tetrazepam / Diazepam
Diese Arzneimittel gehören zur Gruppe der Benzodiazepine. Sie haben eine angstlösende und beruhigende (sedierende) Wirkung und führen einen Zustand der Ausgeglichenheit herbei. Zudem wirken sie stark muskelentspannend. Das gilt insbesondere für Tetrazepam (Musaril®), das außerdem weniger sedierend wirkt als beispielsweise Diazepam (Valium®).

Sollten eine nächtliche Spastik und störende unwillkürliche, dabei oft schmerzhafte Zuckungen – vor allem der Beine – im Vordergrund stehen, sind Einzelgaben zur Nacht hilfreich, da Benzodiazepine sehr lange wirken. Es ist auch eine Kombination mit Baclofen möglich.

Eine Dauertherapie lediglich mit Benzodiazepinen ist allerdings nicht zu empfehlen, da es bei diesen Arzneistoffen häufig zu einer Gewöhnung kommt. Diese Mittel dürfen daher nur über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden. Das Absetzen erfolgt ausschleichend, das heißt durch stetige Dosisverringerung über einen längeren Zeitraum.

Typische Nebenwirkungen dieser Arzneimittel sind Schläfrigkeit und Benommenheit, Schwindel und verstärkter Appetit.

Dantrolen
Dantrolen (Dantamacrin®) wirkt direkt am Muskel stark entspannend. Die Erfahrungen in der Behandlung der Spastik mit Dantrolen sind begrenzt. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn Baclofen und/oder Benzodiazepine nicht ausreichend anschlagen oder die Spastik besonders ausgeprägt ist.

Als typische Nebenwirkungen sind hier neben Schläfrigkeit und Benommenheit vor allem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zu nennen. Wegen einer möglichen Leberschädigung, zu der es in seltenen Fällen kommen kann, sind entsprechende Blutbildkontrollen notwendig.

Sativex
Seit Juli 2011 ist mit Sativex® Spray das erste Medikament auf Cannabis-Basis, das in Deutschland zugelassen wurde, verfügbar. Hierfür war eine Änderung des Betäubungs-mittelgesetzes erforderlich. Mit der 25.BtMÄndV wurde mit Wirkung vom 18.05.2011 Cannabis in die Anlage III-verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel aufgenommen.
Das zur Anwendung in der Mundhöhle indizierte Spray enthält die aus der Cannabis Pflanze gewonnenen Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).
Angewendet wird Sativex® Spray als Zusatzbehandlung bei MS Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik, bei denen durch bisherige Arzneimitteltherapien keine Besserung der Symptomatik erreicht werden konnte.
MS-induzierte Spastiken, die ca. 80% aller MS Patienten mit fortschreitender Erkrankung betreffen, führen in erster Linie zu einer Einschränkung der Beweglichkeit. Für die Betroffenen bedeutet dies eine Verminderung der Lebensqualität.
Ursache dieser Spastiken ist eine Demyelinisierung (Schädigung oder Zerstörung der Myelinscheiden der Nervenzellen), die zu Läsionen an vielen Stellen im Gehirn und im Rückenmark führt. Hierdurch kommt es zu einer Störung der Reizweiterleitung. Es ist bekannt, dass bei spastischen Störungen, das körpereigene Endocannabinoid System verändert ist und es hier offensichtlich an Cannabinoiden fehlt. An dieser Stelle setzt die die neue Therapieform mit THC und CBD an. Die beiden Stoffe binden an den körpereigenen Cannabinoid Rezeptoren, die entscheidend an der Regulation von Nervenimpulsen mitwirken und gleichen den vorhandenen Mangel aus. Hierdurch werden letztlich nicht nur die Spastiken reduziert, sondern auch begleitende Symptome wie Blasenfunktionsstörungen, Schlafstörungen und spastische Schmerzen vermindert.
Zur optimalen Dosisfindung wird die Therapie mit einer Titrationsphase begonnen. Dabei wird die Anzahl der Sprühstöße anhand eines Titrationsschemas (eine Tabelle als Hilfestellung befindet sich hierzu im Beipackzettel) täglich um einen Sprühstoß erhöht bis die zur Linderung der Symptome benötigte Anzahl an Sprühstößen ermittelt ist. Maximal werden zwölf Sprühstöße pro Tag empfohlen. Als durchschnittliche Dosis wurden in verschiedenen klinischen Studien an insgesamt ca. 1500 MS Patienten acht Sprühstöße am Tag ermittelt. Die einzelnen Sprühstöße sollten in der Mundhöhle an unterschiedlichen Stellen aufgebracht werden, die Zeitintervalle zwischen den einzelnen Sprühstößen sollten mindestens 15 Minuten betragen.
Bis zum Anbruch ist Sativex® im Kühlschrank (2-8°C) zu lagern. Nach der ersten Anwendung kann die Sprühflasche bei Raumtemperatur (max. 25°C) aufbewahrt werden, die 5,5ml Flasche 28 Tage, die 10ml Flasche 42 Tage.
Bis die optimale individuelle Dosis für einen Patienten gefunden ist, kann es bis zu zwei Wochen dauern. Mögliche Nebenwirkungen, die unter einer Therapie mit Sativex® auftreten können, sind v.a. Schwindel und Müdigkeit. Diese Nebenwirkungen sind in ihrer Intensität und Dauer je nach Patient unterschiedlich stark ausgeprägt.
Da das Medikament auch die Fahrtüchtigkeit einschränken kann, sollte gerade während der Titrationsphase mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden, ob ein Fahrzeug geführt werden darf.

Botulinumtoxin
Der Wirkstoff Botulinumtoxin (Botox®, Dysport®, Neurobloc®) bietet den großen Vorteil, dass man ganz gezielt einzelne Muskeln behandeln kann. So lassen sich Nebenwirkungen, die den ganzen Körper betreffen, weitgehend ausschließen.

Botulinumtoxin wird vor allem bei sehr schwerer Spastik eingesetzt. Dabei wird die Substanz in niedriger Dosierung in die betroffenen Muskeln gespritzt und damit eine künstliche teilweise Lähmung erzeugt. Die Entspannung bzw. „Lahmlegung“ des Muskels beginnt etwa 24 bis 72 Stunden nach der Injektion und erreicht ihren maximalen Effekt nach 5 bis 14 Tagen. Dieser hält ungefähr drei bis vier Monate an. Die Auswahl der Dosierung und die Injektion der Substanz sollten jedoch nur von erfahrenen Ärzten in Spezialzentren vorgenommen werden.

Schmerzen

Schmerzen kommen bei über 50% der MS-Patienten vor und haben zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität. Bei der überwiegenden Mehrheit sind die Schmerzen chronisch, bei 15% der Patienten jedoch anfallsartig und akut.

Sehr oft werden die Schmerzen durch die erhöhte Muskelsteifheit, insbesondere in den Beinen, verursacht. Diese Schmerzen sind mit physiotherapeutischen Maßnahmen sowie durch eine medikamentöse Senkung der Muskelspannung erfolgreich zu behandeln.

Häufig sind die Schmerzen auch durch eine direkte Schädigung schmerzleitender Nervenbahnen im Rückenmark bedingt. In diesen Fällen lassen sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur selten Besserungen erzielen.

Die häufigste Form akuter Schmerzen ist die Gesichtsnerventzündung, die so genannte Trigeminusneuralgie. Sie tritt bei MS-Betroffenen 300 Mal häufiger auf als bei Patienten ohne MS. Eine Trigeminusneuralgie ist meist sehr gut mit Medikamenten zu behandeln, die sonst zur Therapie der Epilepsie genutzt werden. Diese so genannten Antiepileptika, z.B.
Carbamazepin als Mittel der ersten Wahl, Gabapentin oder Valproat helfen gegen anfallsartig auftretende Schmerzen. Die gleichzeitige Gabe von Antidepressiva wie Amitriptylin ist eine sinnvolle Ergänzung.

Schwieriger ist es, die chronischen Schmerzen zu behandeln. Es gibt einige Hinweise dafür, dass Amitriptylin schmerzhafte Missempfindungen positiv beeinflussen kann wie auch Carbamazepin und alternativ Gabapentin.

Die Therapie von Schmerzen richtet sich nach deren Ursache und Stärke. So sind durch Verspannungen bedingte Muskelschmerzen anders zu behandeln als Schmerzen aufgrund einer Spastik. Sofern eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist, kann man es zunächst mit so genannten einfachen Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) oder Paracetamol, eventuell auch mit Ibuprofen oder Diclofenac versuchen.

Blasenentleerungsstörungen

Man unterscheidet grundsätzlich folgende Formen von Blasenentleerungsstörungen:

  • unfreiwilliger Urinabgang (Urininkontinenz)
  • unwiderstehlicher (imperativer) Harndrang
  • unvollständige Entleerung der Blase (Harnverhaltung)

Oft haben Patienten aber auch kombinierte Störungen. Zur genauen Bestimmung des Blasenproblems ist eine zusätzliche Untersuchung beim Urologen nötig. Die Behandlung der Blasenstörung ist sehr wichtig, um aufsteigende Infektionen, d.h. Entzündungen, die von der Blase zu den Nieren wandern, möglichst zu vermeiden.

Die Therapie der Blasenentleerungsstörungen geschieht in folgenden Schritten:

1. Schritt: Blasentraining
2. Schritt: medikamentöse Behandlung
3. Schritt: Katheterisieren
4. Schritt: Operation

Eine häufig auftretende Form der Blasenstörung ist die so genannte Drang-Inkontinenz. Sie zeigt sich in einem unwiderstehlichen Harndrang, der auch als „imperativer Harndrang“ bezeichnet wird. Es handelt es sich jeweils nur um kleine Harnmengen – bei vollständiger Entleerung der Blase. Die Ursache dafür ist eine Überaktivität der blasenentleerenden Muskulatur. Trotz dieser lästigen Blasenstörung sollte man ausreichend trinken, d.h. mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag, und zwar am besten in kleinen Portionen, denn eine langsam gefüllte Blase kann mehr Flüssigkeit aufnehmen. Ein so genannter „Blasendrill“ kann manchmal helfen. Gemeint ist damit die regelmäßige Blasenentleerung, z.B. alle drei Stunden.

Mit Medikamenten lässt sich die Überaktivität der Blase hemmen, so z.B. mit Oxybutynin (Dridase®), Tolterodin (Detrusitol®), Trospiumchlorid (Spasuret®) oder Flavoxat (Spasuret®). Als Nebenwirkungen können Mundtrockenheit und Pulsbeschleunigung auftreten. Wenn der störende nächtliche Harndrang im Vordergrund steht, können sowohl abendliche Einmalgaben von so genannten trizyklischen Antidepressiva wie z.B. Imipramin (Tofranil®) als auch das noch wirksamere Desmopressin (Minirin®) verabreicht werden. Desmopressin setzt die Urinproduktion herab und vermindert die Blasenfüllung.

Behandlung von Spastik und Blasenstörungen
Es kommt häufig vor, dass eine Spastik der Beine in Kombination mit einer Blasenentleerungsstörung auftritt: Durch eine Störung im Zusammenspiel der für die Blasenöffnung und den Blasenverschluss zuständigen Muskulatur ist die Entleerung der Blase wie durch einen Widerstand behindert. Sie entleert sich nicht ganz und Restharn bleibt zurück. In solchen Fällen ist zu testen, ob eventuell ein Blasentraining – bestehend aus rhythmischem Beklopfen der Bauchhaut oberhalb des Schambeins – bei verzögertem Beginn der Blasenentleerung Abhilfe oder wenigstens Erleichterung schaffen kann.

Medikamentös ist z.B. ein Versuch mit Phenoxybenzamin (Dibenzyran®) oder Baclofen (Lioresal®) lohnenswert. Sollte dennoch eine Restharnmenge von mehr als 150 ml in der Blase zurückbleiben, ist das mehrmals tägliche sterile Selbstkatheterisieren eine bewährte Methode.

Unvollständige Blasenentleerung
Wenn sich die Harnblase nur noch unvollständig zusammenzieht, in der medizinischen Fachsprache „atone Blase“ genannt, dann verbleibt vielleicht Restharn in der Blase. Die atone Blase ist meist gut mit Medikamenten wie Distigminbromid (Ubretid®) behandelbar.

Durch eine vermehrte Restharnbildung können Harnwegsentzündungen verursacht werden.

Bei allen Blasenstörungen ist es daher wichtig, zur Vermeidung von Harnwegsentzündungen mit den entsprechenden Komplikationen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (möglichst täglich 2 Liter) zu achten. Weitere vorbeugende Maßnahmen sind Blasentraining und die Vermeidung großer Restharnmengen. Der Patient sollte Geruch und Aussehen des Urins regelmäßig selbstständig kontrollieren. Sollte es dennoch zu einem Harnwegsinfekt kommen, ist in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Bei Restharnbildung und häufig vorkommenden Blasenentzündungen hat sich eine Ansäuerung des Urins mit Methionin (Acimethin®) oder Methenamin (Urotractan®) bewährt. In seltenen Fällen sind vorübergehende oder ständige Dauerableitungen über Bauchwandfistelungen oder über die Harnröhre sinnvoll. Diese sind trotz zusätzlicher Infektionsgefahr medizinisch vertretbar.

Bleibt die Inkontinenz trotz aller Maßnahmen bestehen, gibt es Hilfsmittel. So stehen für männliche Patienten besondere Einlagen oder Kondomkatheter mit Urinbeutel zur Verfügung und für weibliche Patienten spezielle Binden, Vorlagen und Extrahosen.

Darmentleerungsstörungen

Störungen der Darmentleerung, Obstipation (Verstopfung) und/oder Inkontinenz, kommen im Verlauf der MS-Erkrankung bei vielen Patienten vor. Mit der Therapie sollen Entleerungshäufigkeit und Kontinenz normalisiert werden.

Behandlung von Verstopfung
Viele MS-Patienten haben unter Verstopfung zu leiden. Bisher liegen leider keine aussagekräftigen Studien zur medikamentösen Behandlung vor. Bevor sie ihrem Neurologen diese Beschwerden mitteilen, versuchen die meisten Patienten, sich mit verschiedenen Abführmitteln bis hin zu Einläufen, selbst zu helfen.

Bei leichten Verstopfungen können eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder die Einnahme von Lactulose (Bifiteral ®) bzw. Macrogol (Movicol®) hilfreich sein. Bei schwereren Verstopfungen sind Wirkstoffe wie z.B. Bisacodyl (Dulcolax ®) oder Natriumpicosulfat (Laxoberal®) nötig. Diese sollten jedoch nur für eine begrenzte Dauer angewendet werden, damit sich der Darm nicht an sie „gewöhnt“.

Behandlung von leichter Stuhlinkontinenz
Bei leichter Stuhlinkontinenz kann die Gabe von medizinischer Kohle (z.B. Kohle-Compretten®) oder Loperamid (z.B. Imodium®) hilfreich sein. Manchmal trägt auch ein morgendlicher Einlauf dazu bei, das Risiko einer Inkontinenz im Lauf des Tages zu verringern.

Zittern

Bei einigen MS-Formen kann es zu Zittern (Tremor) der Hände, manchmal auch der Füße und des Kopfes kommen. Das Zittern tritt teilweise besonders bei gezielten Bewegungen in Erscheinung, so z.B. beim Versuch, ein Glas zum Mund zu führen. Krankengymnastik kann häufig helfen. Vereinzelt wurde über günstige Auswirkungen von technischen Hilfsmitteln berichtet. Dabei handelt es sich z.B. um das Anbringen von Gewichten im Bereich von Ellenbogen- oder Kniegelenken.

Bei leichtem Zittern können so genannte Betablocker (z.B. Propranolol, Dociton®) helfen, die sonst bei der Behandlung von Bluthochdruck zum Einsatz kommen. Ein Nachteil dabei ist, dass diese Medikamente den ohnehin niedrigen Blutdruck vieler MS-Patienten weiter senken. Weitere Medikamente können bei manchen Patienten das Zittern verringern,
wie z.B. Diazepam (z.B. Valium®), Primidon (z.B. Mylepsinum®), Isoniazid und Ondansetron.

Bei sehr starkem Zittern kann ein Versuch mit Cannabinol gerechtfertigt sein. Es gibt aber noch keine klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Cannabinol nachweisen. In Einzelfallbeschreibungen wird jedoch die positive Wirkung von Cannabinol bei dieser Symptomatik beschrieben.

Sexuelle Störungen

Sexuelle Störungen müssen nicht zwangsläufig durch die MS verursacht sein. Sie können auch Folge der psychischen Belastung durch die Krankheit sein, durch Partnerschaftsprobleme bedingt sein oder auch durch Medikamente hervorgerufen werden. Zu nennen sind hier z.B. Antidepressiva und Betablocker. Vor einer medikamentösen Therapie sollte man sich sexualtherapeutisch beraten lassen.

Bei Männern kommt es häufig zu einer MS-bedingten Erektionsstörung. Seit der Einführung von Medikamenten wie Sildenafil (Viagra®), Vardenafil (Levita®) und Tadalafil (Cialis®) stehen für die Betroffenen wirksame Mittel zur Verfügung, die eine große Hilfe für MS-Patienten bieten.

Manche MS-betroffene Frauen klagen über eine verminderte Libido. Die Orgasmusfähigkeit kann durch Sensibilitätsstörungen im Genitalbereich beeinträchtigt sein. Die genannten Medikamente (Viagra®, Levita®, Cialis ®) können vermutlich auch bei Patientinnen eine Steigerung der Orgasmusfähigkeit bewirken, sind jedoch bisher noch nicht für die Anwendung bei Frauen zugelassen.

Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit dürfen diese Präparate jedoch auf keinen Fall eingesetzt werden, insbesondere dann nicht, wenn sie Nitropräparate einnehmen.

Gehfähigkeit

Seit September 2011 ist das zweite oral verfügbare Medikament für MS-Patienten, Fampyra® (Fampridin bzw. 4-Aminopyridin) in Deutschland verfügbar. Fampridin erhielt die bedingte Marktzulassung zur Verbesserung der Gehfähigkeit erwachsener Multiple-Sklerose-Patienten mit Gehbehinderung bei allen Formen der multiplen Sklerose (schubförmig und progredient). Eine bedingte Marktzulassung wird für einen Wirkstoff mit positivem Nutzen-Risiko-Verhältnis erteilt, bei dem die Datenlage noch unvollständig ist. Sie ist jährlich zu erneuern.

Die Behandlung von MS mit 4-Aminopyridin ist nicht neu. Bereits seit den 1990er Jahren wurde die Substanz klinisch getestet und konnte von Apotheken in Form von Kapseln hergestellt werden. 2007 begann eine amerikanische Firma neue Untersuchungen mit verzögert freisetzendem 4-Aminopyridin durchzuführen und erhielt daraufhin 2010 die Zulassung in den USA. Das deutsche Präparat Fampyra® ist eine Retardtablette, die 10mg Wirkstoff enthält. Die empfohlene Dosis beträgt eine Tablette oral zweimal täglich im Abstand von 12h auf nüchternen Magen. Nach zwei Wochen wird durch den Arzt der Erfolg der Behandlung beurteilt. Ist keine Verbesserung der Gehfähigkeit festzustellen, sollte die Therapie abgesetzt werden.
Eine Kombination von Fampyra® mit bestehenden Basistherapeutika ist ebenso möglich wie eine Monotherapie.

Bei der MS wird die Myelinschicht, welche die Nervenzellen umgibt, angegriffen. Nachfolgend können aus freigelegten Kanälen vermehrt Kalium-Ionen austreten, welche die elektrische Reizweiterleitung, die für eine normale Muskeltätigkeit erforderlich ist, stören. Fampridin wirkt als Kaliumkanalblocker, der diese Löcher verschließen kann und somit die Leitfähigkeit verbessert.

Fampyra® wurde in zwei Studien mit insgesamt 540 Teilnehmern getestet. Die Patienten wurden entweder neun oder vierzehn Wochen lang behandelt. In beiden Studien sprachen verglichen mit Placebo signifikant mehr Patienten auf die Behandlung an. Die Gehgeschwindigkeit wurde unabhängig von Dauer und Verlaufsform der MS durch Fampridin verbessert. Die Wirkung trat nach ca. zwei Wochen ein und hielt über die gesamte Dauer der Therapie an.

Mögliche Nebenwirkungen, die unter einer Therapie mit Fampridin auftreten können, sind überwiegend neurologischer Art (u.a. Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Zittern, Schwächegefühl). Als häufigste Nebenwirkung zeigten sich bei 12% der Patienten Harnwegsinfekte.

Quellen: PZ, DAZ, EMEA

Impfungen

Allgemeines

Denn jede Impfung stimuliert das Immunsystem. In Europa ist man eher vorsichtig und empfiehlt MS-Patienten, sich nur dann impfen zu lassen, wenn es zwingend notwendig ist.

In neueren Forschungen konnte man aber zeigen, dass Impfungen bei MS-Patienten bis auf wenige Ausnahmen vorgenommen werden können, wobei sich die Ausnahmen meist auf die so genannten Lebendimpfstoffe beziehen. Es zeigte sich, dass Tetanus-, Hepatitis-B-, Rötelnund Grippeimpfungen ohne Risiko der Schubauslösung durchgeführt werden können.

Für die Grippeimpfung gilt, dass die Gefahr einer Schubauslösung durch die Erkrankung an Grippe selbst viel größer ist als durch die Impfung. Dies ist bei der Entscheidung für oder gegen die Grippeimpfung zu bedenken.

Viren, die das Nervensystem angreifen, wie diejenigen, die durch Zeckenbiss übertragen werden oder die in der Poliovirus-Impfung enthaltenen Viren, erscheinen nicht ganz ungefährlich. Im Einzelfall muss man abwägen zwischen dem Schutz vor Infektion und der Möglichkeit eines durch die Impfung ausgelösten Schubs.

Sollten Sie zum Beispiel Ihren Urlaub in einer Gegend mit hohem Risiko für einen Zeckenbiss verbringen, haben Sie auch die Möglichkeit, sich passiv mit einem Hyperimmunserum immunisieren zu lassen.

Sie sollten die notwendigen Impfungen auf jeden Fall mit Ihrem Arzt besprechen.

Grundsätzlich sollten alle Impfungen in einer stabilen Krankheitsphase durchgeführt werden, d.h. außerhalb eines Schubes und außerhalb einer Therapie mit Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva. Bei immunsuppressiver Behandlung ist mit einem verminderten Impferfolg zu rechnen.

Die neuesten Informationen zum Thema MS gibt es hier:

Selbsthilfegruppen

DMSG, Deutsche Multiple Sklerose Geselschaft, Bundesverband e.V.
Küsterstraße 8
30519 Hannover
Telefon: 0511 / 9 68 34-0
Telefax: 0511 / 9 68 34-50
E-Mail: dmsg@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de

DMSG Landesverband Bayern e.V.
Sankt-Jakobs-Platz 12
80331 München
Telefon: 089 / 23 66 41-0
Telefax: 089 / 23 66 41-33
E-Mail: dmsg-bayern@dmsg.de
Internet: www.dmsg-bayern.de

DMSG Landesverband Brandenburg e.V.
Jägerstraße 18
14467 Potsdam
Telefon: 0331 / 29 26 76
Telefax: 0331/ 2 80 01 46
E-Mail: dmsg-brandenburg@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/dmsg/brandenburg

DMSG Landesverband Hessen e.V.
Wittelsbacherallee 86
60385 Frankfurt am Main
Telefon: 069 / 40 58 98-0
Telefax: 069 / 40 58 98-0
E-Mail: dmsg@dmsg-hessen.de
Internet: www.dmsg-hessen.de

DMSG Landesverband Niedersachsen e.V.
Herrenhäuser Kirchweg 14
30167 Hannover
Telefon: 0511 / 70 33 38
Telefax: 0511 / 70 89 81
E-Mail: info@dmsg-niedersachsen.de
Internet: www.dmsg-niedersachsen.de

DMSG Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.
Hindenburgstraße 32
55118 Mainz
Telefon: 06131 / 60 47 04
Telefax: 06131 / 60 49 30
E-Mail: dmsg-rheinland-pfalz@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/rp

DMSG Landesverband Sachsen e.V. 
Borsbergstraße 12
01309 Dresden
Telefon: 0351 / 4 59 33 81
Telefax: 0351 / 4 41 60 81
E-Mail: dmsg-sachsen@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/sachsen

DMSG Landesverband Schleswig Holstein e.V.
Beselerallee 67
24105 Kiel
Telefon: 0431 / 56 01 50
Telefax: 0431 / 5 60 15 20
E-Mail: dmsg-schleswig-holstein@dmsg.de
Internet: www.dmsg-sh.de

AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter
Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V.
Regerstraße 18
70195 Stuttgart
Telefon: 0711 / 6 97 86-0
Telefax: 0711 / 6 97 86-99
E-Mail: info@amsel.de
Internet: www.amsel.de

DMSG Landesverband Berlin e.V.
Paretzer Straße 1
10713 Berlin
Telefon: 030 / 3 13 06 47
telefax: 030 / 3 12 66 04
E-Mail: dmsg-berlin@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/berlin

DMSG Landesverband Hamburg e.V.
Eppendorfer Weg 154
20253 Hamburg
Telefon: 040 / 4 22 44 33
Telefax: 040 / 4 22 44 40
E-Mail: dmsg-hamburg@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/dmsg/hamburg

DMSG Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Karl-Marx-Straße 19a
19055 Schwerin
Telefon: 0385 / 3 92 20 22
Telefax: 0385 / 3 94 11 39
E-Mail: dmsg-mv@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/mv

DMSG Landesverbamd Nordrhein-Westfalen e.V.
Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf
Telefon: 0211 / 9 33 04-0
Telefax: 0211 / 31 20 19
E-Mail: post@dmsg-nrw.de
Internet: www.dmsg-nrw.de

DMSG Landesverband Saar e.V.
Richard-Wagner-Straße 62
66111 Saarbrücken
Telefon: 0681 / 3 79 10-0
Telefax: 0681 / 3 79 10-16
E-Mail: dmsg-saarland@dmsg.de
Internet: www.dmsg-saar.de

DMSG Landesverbad Sachsen-Anhalt e.V.
Taubenstraße 4
06110 Halle
Telefon: 0345 / 2 02 98 31
Telefax: 0345 / 2 02 98 36
E-Mail: dmsg-sachsen-anhalt@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de/sa

DMSG Landesverband Thüringen e.V.
Zittauer Straße 27 (Haus 2)
99091 Erfurt
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Telefax: 0361 / 7 10 04 61
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Internet: www.dmsg.de/dmsg/thueringen

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